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	<title>revelation of silence &#187; reviews: books</title>
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	<description>simplicity - silence - solitude</description>
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		<title>monstrous regiment</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Sep 2011 02:45:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>E.</dc:creator>
				<category><![CDATA[philosophy]]></category>
		<category><![CDATA[quotations]]></category>
		<category><![CDATA[reviews: books]]></category>

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		<description><![CDATA[I&#8217;m too tired to write a proper review, and you all know discworld novels anyway. &#8220;Monstrous regiment&#8221; is a decent one that is definitely worth reading. 
&#8220;Life was a process of finding out how far you could go too far, and you could probably go too far in finding out how far you could go.&#8221;
&#8220;The [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>I&#8217;m too tired to write a proper review, and you all know discworld novels anyway. &#8220;Monstrous regiment&#8221; is a decent one that is definitely worth reading. </p>
<blockquote><p>&#8220;Life was a process of finding out how far you could go too far, and you could probably go too far in finding out how far you could go.&#8221;</p></blockquote>
<blockquote><p>&#8220;The presence of those seeking the truth is infinitely to be preferred to the presence of those who think they&#8217;ve found it.&#8221;</p></blockquote>
<blockquote><p>&#8220;You take a bunch of people who don&#8217;t seem any different from you and me, but when you add them all together you get this sort of huge raving maniac with national borders and an anthem.&#8221;</p></blockquote>
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		<title>die rückseite des spiegels &#8211; konrad lorenz</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Aug 2011 12:39:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>E.</dc:creator>
				<category><![CDATA[philosophy]]></category>
		<category><![CDATA[quotations]]></category>
		<category><![CDATA[reviews: books]]></category>
		<category><![CDATA[science]]></category>

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		<description><![CDATA[Andere Leute haben sich an anderer Stelle ausführlich (und um vieles qualifizierter, als ich das könnte) mit Konrad Lorenz und dessen Verwicklungen mit nationalsozialistischen Ideen befasst. Darum soll es hier heute nicht gehen. &#8220;Die Rückseite des Spiegels &#8211; Versuch einer Naturgeschichte menschlichen Erkennens&#8221;, 1973 erschienen, kann gewissermaßen als Hauptwerk des späten Lorenz&#8217; verstanden werde, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Andere Leute haben sich an anderer Stelle ausführlich (und um vieles qualifizierter, als ich das könnte) mit Konrad Lorenz und dessen Verwicklungen mit nationalsozialistischen Ideen befasst. Darum soll es hier heute nicht gehen. &#8220;Die Rückseite des Spiegels &#8211; Versuch einer Naturgeschichte menschlichen Erkennens&#8221;, 1973 erschienen, kann gewissermaßen als Hauptwerk des späten Lorenz&#8217; verstanden werde, der hier nochmals viele ältere Ideen aufgreift und zusammenfasst, relativ losgelöst aus einem früher vorhandenen ideologisch gefärbten Hintergrund. </p>
<p>Das Buch enthält einige fachliche Fehler, am auffallensten ist mit Sicherheit die regelmässige Nennung &#8220;arterhaltender&#8221; evolutionärer Prozesse (er verwendet das Wort &#8216;Gruppenselektion&#8217; zwar im Buch kein einziges Mal, aber doch sind zumindest die am Ende des Buches ausgeführten, komplexeren Gedankenmuster nur auf einer solchen Basis sinnvoll zu verstehen). Das hat dafür gesorgt, dass Lorenz heute in der universitären Biologie keinen Platz im Lehrplan mehr findet. Auch den auf die Spitze getriebenen stetige Vergleich zwischen evolutionären und gesellschaftlichen, kulturellen Prozessen finde ich unplausibel, obschon er zum Nachdenken anregt, gerade weil viele richtige Prämissen den Gedanken zugrunde liegen. </p>
<p>All dem zum Trotze enthält das Buch viele spannende Ideen, von denen ich hier einige abbilden möchte. </p>
<p>Abschließend muss erwähnt werden, dass mein Interesse an Lorenz nicht zuletzt durch seinen Schüler und meinen ehemaligen Professor Norbert Bischof herrührt, der seinen ehemaligen Mentor regelmäßig zitiert hat. Beide haben einen ähnlich belehrenden, ja fast besserwisserischen Stil, der mir regelmäßig große Freude beim Lesen bereitet. </p>
<blockquote><p>&#8220;[Evolution] ist ein Vorgang der Erkenntnis, denn jede &#8216;Anpassung an&#8217; eine besimmte Gegenbeit der äußeren Realität bedeutet, daß ein Maß von &#8216;Informationen über&#8217; sie in das organische System aufgenommen wurden.&#8221;</p></blockquote>
<p><span id="more-3961"></span></p>
<blockquote><p>
&#8220;Objicere heißt entgegenwerfen: das Objekt ist das, was unserer Vorwärtsbewegung entgegegeworfen wird, das Undurchdringliche, woran wir uns stoßen.&#8221; </p>
<p>&#8220;Das Genom lernt nur aus seinen Erfolgen, der forschende Mensch aber auch aus seinen Irrtümern!&#8221;</p>
<p>&#8220;Der &#8216;doktrinäre&#8217; Niederschlag vollzogener Anpassungsvorgänge zwingt all unserem erkennen Hypothesen auf, oder besser gesagt, er unterschiebt ihm, ohne daß wir es merken, Hypothesen. Wir können nichts erfahren, nichts anschauen und nichts denken, ohne dies aufgrund von Voraussetzungen, von Unterstellungen zu tun, in denen solche angeborene Hypothesen stecken: Sie sind in unseren &#8216;Weltbildapparat&#8217; eingebaut!&#8221;</p>
<p>&#8220;Die Einteilung der phänomenalen Welt in Gegensatzpaare ist ein uns angeborenes Ordnungsprinzip, ein apriorischer Denkzwang urtümlicher Art.&#8221;</p>
<p>&#8220;Obwohl es tatsächlich unstatthaft ist, Schichten der realen Welt in disjunktive Begriffe zu fassen, haben sich diese doch in unzähligen Paaren in unser Denken und in unsere wissenschaftliche wie in unsere Umgangssprache eingenistet: Natur und Geist, Leib und Seele, Tier und Mensch, nature und nurture usf.&#8221;</p>
<p>&#8220;Dieses Denkmodell illustriert gut, wie abwegig die disjunktive Begriffsbildung von &#8216;angeboren&#8217; und &#8216;erlernt&#8217; ist (nature and nurture). Alle Lernfähigkeit gründet sich auf offenen Programmen, die nicht weniger, sondern mehr im Genom festgelegte Informationen voraussetzen als eine sogenannte angeborene Verhaltensweise.&#8221;</p>
<p>&#8220;Eine solche [irreführenden disjunktiven Begriffsbildung] liegt auch der weitverbreiteten Meinung zugrunde, daß die kulturelle Entwicklung sich mit einer gewissermaßen horizontalen Abgrenzung scharf von dern Ergebnissen der vorangegangenen Stammesgeschichte absetze, die man sich als mit der &#8216;Menschwerdung&#8217; abgeschlossen vorstellt.<br />
Auf dieser falschen Vorstellung beruht auch die Meinung, daß alles &#8216;Höhere&#8217; im menschlichen Leben, vor allem alle feineren Strukturen des sozialen Verhaltens kulturbedingt seien, während dagegen alles &#8216;Niedrige&#8217; auf instinktiven Reaktionen beruht. In Wirklichkeit ist der Mensch durch ein typisches stammesgeschichtliches Werden zu dem Kulturwesen geworden, das er heute ist.&#8221;</p>
<p>&#8220;Der Mensch ist, wie Arnold Gehlen sagt, &#8216;von Natur aus ein Kulturwesen&#8217;, d.h. schon seine natürliche und erbliche Veranlagung ist so beschaffen, daß viele ihrer Strukturen der kulturellen Traditionen bedürfen, um funktionsfähig zu werden. Ihrerseits aber machen sie Tradition und Kultur überhaupt erst möglich.&#8221;</p>
<p>&#8220;Wenn wir finden, daß gewisse Bewegungsweisen und gewisse Normalen des sozialen Verhaltens allgemein menschlich sind, d.h., daß sie sich bei allen Menschen aller Kulturen in genau gleicher Form nachweisen lassen, so dürfen wir mit eier an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die phylogenetisch porgrammiert und erblich festgelegt sind. Mit anderen Worten: es ist von erdrückender Unwahrscheinlichkeit, daß nur durch Tradition fixierte Verhaltensnormen über so große Zeiträume unverändert bleiben.&#8221;</p>
<p>&#8220;Man hat [in der auf den Menschen angewandte vergleichende Verhaltensforschung] gute Gründe anzunehmen, daß in der emotionellen Sphäre, die eine so wesentliche Rolle bei der Motivation unserer sozialen Verhaltens spielt, besonders viele phylogenetisch fixierte, ererbte Elemente enthalten sind.&#8221;</p>
<p>&#8220;Einer der Gründe, die bisher ein tieferes Verständnis menschlichen Verhaltens verhidnert haben und immer noch verhindern, liegt in der ideologisch festgefahrenen Abneigung der philosophischen Anthropologie, die Existenz angeborenen Verhaltensstrukturen des Menschen auch nur als Möglichkeit in Betracht zu ziehen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Vor die Wahl zwischen vielen brandenten gestellt, wählt der Versuchsvogel fast nie seinen &#8216;Prägungspartner&#8217;  dies wird durch inzesthemmende Mechanismen verhindert &#8211; sondern einen anderen Vertreter seiner Art. Eine von mir selbst aufgzeoene und dadurch &#8216;sexuell menschengeprägte&#8217; Dohle richtete ihr Balzverhalten auf ein kleines, dunkelhaariges Mädchen. Was den Vogel dazu veranlaßte, uns beide für Vertreter der gleichen Art zu halten, ist mir unerfindlich.&#8221;</p>
<p>&#8220;Es ist eine falsche Meinung der Empiristen, daß das kausale Denken des Menschen nur durch Gewohnheit entstünde und daß unser &#8216;propter hoc&#8217;, unser &#8216;weil&#8217;, identisch sei mit einem oft erlebten und verläßlichen &#8216;post hoc&#8217;, einem &#8216;regelmäßig danach&#8217;. [...] Ebenso äußert sich der apriorische Charakter des kausalen Denkens in dem ewigem &#8216;warum?&#8217; jedes intelligenten Kindes.&#8221;</p>
<p>&#8220;Die dritte und merkwürdigste Übereinstimmung zwischen der eingeschliffenen Bewegung und der Erbkoordination liegt darin, daß sich nach längerem nichtgebrauch der einen wie der anderen ein deutliches, auf ihr Ablaufenlassen gerichtetes Appenzverhalten bemerkbar macht. Eines der stärksten Mtoive, das Menschen dazu treibt, zu tanzen, eiszulaufen oder sonstigen Sportarten zu frönen, ist die nach einer ganz bestimmten wohleingeschliffenen Bewegung gerichtete Appetenz, deren Intensität mit der Gekonntheit der Bewegung und mit dem Grade ihrer Schwierigkeit zunimmt.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich bin vor die Wahl gestellt, entweder einer ausführlichen Wiederholung von früher Geschriebenem schuldig zu werden oder den Leser zum Nachschlagen in früheren Arbeiten aufzufordern. Da er dieser Aufforderung erfahrungsgemäß nur sehr selten nachkommt, setze ich mich lieber dem Vorwurf der Redundanz aus.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich sehe nicht, was Denken grundsätzlich anderes sein soll als ein solches probeweises und nur im Gehirn sich abspielendes Handeln im vorgestellten Raum. zumindest behaupte ich, daß Vorgänge dieser Art auch in unseren höchsten Denkoperationen mit enthalten sind und ihre Grundlage bilden.&#8221;</p>
<p>&#8220;Niemand, der eine solche Problemlösung an einem Affen beobachtet hat, kann ernstlicht daran zweifeln, daß das tier im Augenblick der Lösungsfindung ein dem unseren analoges Aha-Erlebnis im Sinne von Karl Bühler hat.&#8221;</p>
<p>&#8220;&#8216;Der Mensch ist nur dort ganz Mensch, wo er spielt&#8217;, sagt Friedrich Schieller. &#8216;Im echten Manne ist ein Kind versteckt&#8217;. sagt Friedrich Nietzsche, und meine Frau hat hinzugefügt: &#8216;Wieso versteckt?&#8217;&#8221;</p>
<p>&#8220;Die Verlangsamung der menschlichen Jugendentwicklung, die Bolk als Retardation bezeichnete, sowie das Stehenbleiben der Entwicklung auf einem jugendlichen Stadium, die sogenannte Neotonie, ist die Voraussetzung dafür, daß der Mensch nicht, wie die meisten Tiere es tun, sein Neugierverhalten mit dem Erwachsenwerden einstellt, sondern seine konstitutive Weltoffenheit beibehält, bis das Greisenalter ihr ein Ende bereitet.&#8221;</p>
<p>&#8220;&#8230; wissen wir über die physiologischen Vorgänge der menschlicheN Nachahmung überhaupt nichts. Ich bin grundsätzlich der Anschauung, daß in derartigen Fällen totaler Ignoranz des Physiologischen die Phänomenologie, die Selbstbeobachtung, als Wissensquelle benutzt werden darf und muß.&#8221;</p>
<p>&#8220;Wir kennen aber einen einzigen Fall, dessen wahrhaft gewaltiger Erkenntniswert heute deshalb oft unterschätzt wird, weil eine wissenschaftliche Modetorheit verbietet, einmalige Beobachtungen, die sich weder &#8216;reproduzieren&#8217; noch statistisch auswerten lassen, als legitime Quellen wissenschaftlicher Erkenntnis zu bewerten. Ich spreche hier von den schlechten Darstellungen, die Anne M. Sullivan von der geistigen Entwicklung ihrer taubstummen und blinden Schülerin Helen Keller gegeben hat.&#8221; </p>
<p>&#8220;Schließlich können wohleingeschliffene erlernte Verhaltensweisen die einsichtige Lösung eines neu gestellten Problems verhindern. Dafür gibt es auch in der Wissenschaftsgeschichte Beispiele.&#8221;</p>
<p>&#8220;Weil das Verhaltensprogramm der Neugierwesen innerhalb weiter Grenzen modifizierbar ist, brauchen diese eine ebenso breite Anwendbarkeit ihrer Motorik und ihrer Organe. Solche Tiere [Anm.: Lorenz fasst den Mensch hier als Hauptvertreter auf, neben z.B. Ratten] sind morphologisch unspezialisiert, euryphag; sie sind häufig Kosmopoliten. Der Mensch verdankt das Erhaltenbleiben seiner Neugier über seine ganze Lebenszeit der Retardation seiner Entwicklung und seiner partiellen Neotonie.&#8221;</p>
<p>&#8220;Der große Hiatus zwischen dem Objektiv-Physiologischen und dem subjektiven erleben ist nun insofern anderer Art, als er keineswegs nur durch eine Lücke in unserem Wissen bedingt ist, sondern durch eine apriorische, in der Struktur unseres Erkenntnisapparates liegende prinzipielle Unfähigkeit zu wissen. Paradoxerweise ist die undurchdringliche Scheidewand zwischem dem Leiblichen und dem Seelischen nur für unseren Verstanden und nicht fü runser Gefühl gezogen [...] Wir sind, allen verstandesmäßigen Erwägungen zum Trotze, gar nicht imstande, an der grundsätzlichen Einheit von Leib und Seele zu zweifeln.&#8221;</p>
<p>&#8220;Die Leistung der Objektivierung, die ihrerseits die Basis aller weiteren und höheren Erkenntnisschritte bildet, gründet sich auf die Kenntnis des eigenen, die äußere Realität abbildenden Apparates. Wenige sind sich klar darüber, zu welchem hohen Grade soziale und kulturelle Faktoren diesen Apparat und seine Funktion mitbestimmen und damit alles, was wir für wahr, richtig, gesichert und wirklich halten. Für den Forscher, der sich die Objektivierung des Wirklichen zum Ziel gesetzt hat, ist es Pflicht, diese kulturell bestimmten Leistungen und Leistungsbeschränkungen des menschlichen Erkennens ebenso zu kennen und ins Kalkül zu ziehen wie die apriorischen Funktionen unserer Weltbildapparates.&#8221; </p>
<p>&#8220;Beim Studium der vielfachen Wechselwirkungen, aus denen die Funktion eines solchen Systems besteht, wird man den am wenigsten veränderlichen Anteilen am häufigsten als Ursache und am seltensten als Wirkung begegnen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Je komplexer ein System ist, desto unwahrscheinlicher ist es, daß eine zufällige Änderung seiner Struktur eine andere Wirkung hat als die einer Störung.&#8221;</p>
<p>&#8220;Die Lebensfähigkeit einer Art hängt daon ab, daß die Invarianz ihrer Erbanlagen im richtigen Gleichgewicht zu deren Veränderlichkeit steht.&#8221;</p>
<p>&#8220;Wissen kann gar nicht anders als in angepaßter Struktur festgehalten werden, sei es nun in den Kettenmolekülen des Genoms, in Ganglienzellen des Gehirns oder in den Buchstaben eines Lehrbuchs. Struktur ist Angepaßtheit im fertigen Zustande, sie muß, zumindest teilweise, wieder ab- und umgebaut werden, wenn weitere Anpassungen vor sich gehen, neues Wissen erworben werden soll.&#8221;</p>
<p>&#8220;So ziemlich alles, was wir in Gegenwart anderer tun ist von kultureller Ritualisation beeinflußt. Wirklich unritualisiertes Verhalten des Menschen, vor allem die meisten unritualisierten Instinktbewegungen, sind sozial verpönt. Sich-Kratzen, Sich-Räkeln, Nasenbohren und ähnliches &#8216;Komfortverhalten&#8217; ist ebenso verpönt wie Exkretion oder Kopulation. Die Scham ist eine unmittelbare Folge der allumfassenden kulturellen Ritualisierung. Der kultur- und damit auch arterhaltende Sinn der rituellen Zwangsjacke, in die unser kreatürliches Verhalten gezwängt ist, beruht auf der Notwendigkeit, wenn nicht alle, so doch die meisten instinktiven Antriebe des Menschen unter die Kontrolle der von der Kultur geforderten Verhaltensnormen zu zwingen.&#8221;</p>
<p>&#8220;In vielen Kulturen, auch schon in verhältnismäßig primitiven, hat sich durch kulturelle Ritualisierung aus Kampfverhalten jene Art des Wettspieles entwickelt, die wir als Sport bezeichnen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Wesentlich für die Wahl der so übernommenen neuen Tradition ist es, daß sie Ideale enthält, für die man kämpfen kann. Dies ist der Grund, weshalb gerade emotionell vollwertige Jugendliche sich so häufig einer Minderheit anschließen, der offensichtlich Unreht geschieht und für die zu kämpfen es sich lohnt.&#8221;</p>
<p>&#8220;Es gibt noch einen anderen Vorgang der Objektfixierung, der verwandte Eigenschaften [zur erstaunlich rasch sich vollziehenden Bindung an eine neue Kulturgruppe] aufweist, nämlich das Sich-Verlieben, dessen Plötzlichkeit der englische Ausdruck &#8216;falling in love&#8217; so treffend ausdrückt.&#8221;</p>
<p>&#8220;Gruppen, die größer sind all jene, die durch persönliche Bekanntschaft und Freundschaft zusammengehalten werden, verdanken ihre Kohärenz immer und ausschließlich Symbolen, die durch kulturelle Ritualisation hervorgebracht wurden und von allen Gruppenmitgliedern als etwas Wertvolles empfunden.&#8221;</p>
<p>&#8220;Die Erlebnistatsache, daß wir einen freien Willen haben, und die naturwissenschaftliche Erkenntnis der physiologischen Determiniertheit unseres Handelns bilden eine Aporie, von der im folgenden Bande die Rede sein wird und aus der ich eien Ausweg zu wissen glaube.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich glaube sichere Anzeichen dafür wahrzunehmen, daß eine auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen sich aufbauende Selbsterkenntnis der Kulturmenschheit aufzuleuchten beginnt.&#8221;</p>
</blockquote>
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		<item>
		<title>freedomTM</title>
		<link>http://www.revelation-of-silence.com/2011/05/25/freedomtm/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 May 2011 07:46:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>E.</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Daniel Suarez, an American information technology consultant, followed up his first book &#8220;Daemon&#8221; (selfpublished 2006, published 2009 by Dutton; I wrote about it two weeks ago) with &#8220;FreedomTM&#8221;.  
The first book is brilliant fiction in the sense that Suarez takes several things that exist in our world and puts them together in a way [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Daniel_Suarez">Daniel Suarez</a>, an American information technology consultant, followed up his first book &#8220;Daemon&#8221; (selfpublished 2006, published 2009 by Dutton; I wrote about it <a href="http://www.revelation-of-silence.com/2011/05/02/daemon-daniel-suarez/">two weeks ago</a>) with &#8220;FreedomTM&#8221;.  </p>
<p>The first book is brilliant fiction in the sense that Suarez takes several things that exist in our world and puts them together in a way nobody else seems to have thought about before.<br />
The second book &#8220;FreedomTM&#8221; continues with his ideas, but gains a new quality because Suarez&#8217; ideas for a modern and truely democratic civilization are stated much more explicitly now. </p>
<p><strong>Content</strong><br />
The Daemon, a computer program Matthew Sobol released when he died to take over the corporate world, has infested many companies. Whereas the fight between the Daemon and our world and the way the Daemon functions were portrayed in &#8220;Daemon&#8221;, now the US secret services decide to abuse the daemon for their own good, try to hack their way into it and manipulate it. One of the protagonists on this side is The Major:</p>
<blockquote><p>&#8220;Bastards like me serve a purpose. People need order. They need to be told what to think, what to do, what to believe, or everything will fall apart. This miracle of modern civilization doesn&#8217;t just happen. It requires careful management by professionals willing to do whatever is necessary to keep things running smoothly &#8230;&#8221;</p></blockquote>
<p>On the other side, we have farmers, hackers, our old friend Pete Sebeck and many others &#8211; members of the so-called &#8220;darknet&#8221;, a community that is hosted by the daemon. What was written between the lines in the first book is now written very explicitly in statements of characters. Suarez&#8217; critique of the modern, globalised world starts before the book starts, with a quotation from Theodore Roosevelt (1906):</p>
<blockquote><p>&#8220;Behind the ostensible government sits enthroned an invisible government owing no allegiance and acknowledging no responsibility to the people. To destroy this invisible government, to befout the unholy alliance between corrupt business and corrupt politics is the first task of the statemanship of the day.&#8221;</p></blockquote>
<p>The critique continues.<br />
<span id="more-3691"></span>The difference to many other books I&#8217;ve read is that Suarez actually proposes a solution to the problems. Whether this is an utopia or not is for the reader to decide, and whether the end justifies the means to achieve this new world order is debatable as well. </p>
<blockquote><p>&#8220;What made you finally change?&#8221;<br />
&#8211; &#8220;When I started educating myself on why farming no longer made sense. We basically use oil and aquifer water to temporarily boost the carrying capacity of the land, all for economic growth demanded by Wall Street investors. It&#8217;s a crazy system that only makes sense when you foist all the costs onto taypayers in the form of crop subsidies that benefit agribusiness, and defense spending to secure fossil fuels. We&#8217;re basically paying for corporations to seize control of the food supply and dictate to use the terms under which we live.&#8221;</p></blockquote>
<p>How does the new system work? </p>
<blockquote><p>&#8220;Holons are the geographic structure of the darknet. Any darknet community lies at the center of an economic radius of one hundred miles for ist key inputs and outputs – food, energy, health care, and building materials. Balancing inputs and outputs within the circle is the goal. A local economy that&#8217;s as self-sufficient as possible while still being part of a cultural whole – a holon – thus creating a resilient civilization that has no central points of failure. And which through its very structure promotes democracy.&#8221;</p></blockquote>
<blockquote><p>
&#8220;Useful to whom?&#8221;<br />
&#8211; &#8220;Humanity, Seargent. This is big-picture stuff Repositories of human knowledge and technology are being designed and built by various curator factions around the world. The spec is simply that these repositories be durable, inspire awe, and be equipped with autated systems that can teach people useful knowledge to empower the more rational among the population so that they can achieve leadership positions. That way, should human civilization be lost in a region, this system could put locals back on a path to regain knowledge in a generation or two. It could also be useful in resisting a downward spiral to begin with.&#8221;<br />
[...]<br />
&#8220;But doesn&#8217;t that spread mysticism? Lies, essentially?&#8221;<br />
&#8211; &#8220;You mean fairy tales? Yes, initially. But then, a lot of parents tell young children that there&#8217;s a Santa Claus. It&#8217;s easier than trying to explain the cultural significance of midwinter celebrations to a three-year-old. If false magic or a white lie about the god-monster in the mountain will get people to stop killing one another and learn, then the truth can wait. When the time is right, it can be replaced with a reverence for the scientific method.&#8221;</p></blockquote>
<blockquote><p>&#8220;Our network doesn&#8217;t use the dollar. We&#8217;ve accrued darknet credits – a new digital currency that hasn&#8217;t been saddled with twenty lifetimes of debt by coporate giveaways. We&#8217;re using that currency to power a loca, sustainable economy [...]. The dollar is about to go into hyperinflation. The darknet currency is backed by joules of green energy – something intrinsically valuable. [...] My generation has no intention of living as serfs on a corporate manor, Dad. When people became more reliant on multinational corporations than on their own communities, they surrendered whatever say they had in their government. Corporations are growing stronger while democratic government becomes increasingly helpless. [...] Just look at corn and soybeans, subsidized with tax-payer money – creating a market that wouldn&#8217;t otherwise make sense. Why? So agribusiness firms ahve cheap inputs to make processed food. The taxpayers are basically subsidizing corporations to make crap, when we could ahve grown real food on our own. But, of course, they&#8217;ve made growing food illegal now.&#8221;</p></blockquote>
<blockquote><p>&#8220;Look, I can see distributed democracy working in holons like this, but can we really run an entire civilization off something that was essentially a gaming engine?&#8221;<br />
&#8211; &#8220;Can you name anything else that&#8217;s as battle tested? It&#8217;s been attacked nine ways to Sunday by every leet hacker on the planet. Sobol basically used an army of teen gamers to beta test the operating system for a new civilization. I guess all those hours gaming weren&#8217;t a waste of time, after all.&#8221;</p></blockquote>
<p>It&#8217;s not an utopia that comes without costs. There is plenty of evil done by the daemon – the tool that Matthew Sobol uses to implement the new world order in &#8220;FreedomTM&#8221;. Many people are killed in the process, even more financially ruined. And as soon as the darknet is running, at first it seems to be a very absolutistic system in which the rules cannot be changed; fMRI scans when recruiting new members are mandatory, and also random scans are carried out regularly:</p>
<blockquote><p>&#8220;Lots of folks on the darknet resent the random fMRI brain scans. Even though they&#8217;re administered by remoate operator in a double-blind format, I frequently hear complaints about invasion of privacy. The issue is whether citizens of a democracy claim the right to lie on matters of material significance. Individual privacy must be weighed against the corrosive effect of lies in the public discourse.&#8221;</p></blockquote>
<p>However, darknet citizens soon find out that there are possibilities within the network. When a very powerful person starts slaughtering people, an artificial intelligence, created by darknet users shows up: </p>
<blockquote><p>&#8220;Sir, a critical mass of network citizens strongly disapproves of what you&#8217;re doing. I need you to stop immediately and come with me. It would much better if you cooperated. Would you do that for me?&#8221;</p></blockquote>
<p>Imagine if democracy actually worked like that &#8230; </p>
<p>In the end, the main character Pete Sebeck is forced by Matthew Sobol through the daemon to face what happens in the modern world. He leads him to the important places and events. And eventually it&#8217;s up to Sebeck to make a decision of major importance &#8230; </p>
<p><strong>Style</strong><br />
I like the ideas, I like the writing. It&#8217;s probably not the best writing, since &#8220;FreedomTM&#8221; was Suarez&#8217; second book. But it doesn&#8217;t get into the way of the story. </p>
<p>&#8220;FreedomTM&#8221; isn&#8217;t a politically left or right book, which makes it so interesting to read (at least for me). The usual utopias (e.g. communism) ignore how humans actually are, how they think and feel and act, and therefor are not applicaple to our society. </p>
<p>In the end of the book there is a chapter &#8220;further reading&#8221; in which he actually recommends books (among them &#8220;Omnivore&#8217;s Dilemma&#8221; by Michael Pollan, &#8220;The Shock Doctrine&#8221; by Naomi Klein, and &#8220;Wired for War&#8221; by P. W. Singer). </p>
<p><strong>Rating</strong><br />
Ideas: 1+<br />
Writing: 2</p>
<p>FreedomTM should be considered a must-read for everybody who is interested in modern politics, globalism, economics, ecology, philosophy, informatics and sciences in general. If it were up to me, FreedomTM would become a mandatory book in schools. </p>
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		<title>daemon (daniel suarez)</title>
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		<pubDate>Mon, 02 May 2011 17:05:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>E.</dc:creator>
				<category><![CDATA[quotations]]></category>
		<category><![CDATA[reviews: books]]></category>
		<category><![CDATA[science]]></category>

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		<description><![CDATA[A couple of months ago I finished reading Daemon by Daniel Suarez, an inspiring book. Creative, fantastic to read, inspiring &#8211; and very plausible for fiction. 
When a designer of computer games dies, he leaves behind a program that unravels the Internet&#8217;s interconnected world. It corrupts, kills, and runs independent of human control. It&#8217;s up [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0451228731/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=revelofsilen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=0451228731"><img src="http://www.revelation-of-silence.com/wp-content/uploads/2011/05/sua.png" alt="" title="sua" width="166" height="290" class="alignright size-full wp-image-3648" /></a>A couple of months ago I finished reading Daemon by Daniel Suarez, an inspiring book. Creative, fantastic to read, inspiring &#8211; and very plausible for fiction. </p>
<blockquote><p>When a designer of computer games dies, he leaves behind a program that unravels the Internet&#8217;s interconnected world. It corrupts, kills, and runs independent of human control. It&#8217;s up to Detective Peter Sebeck to wrest the world from the malevolent virtual enemy before its ultimate purpose is realized: to destroy civilization&#8230; </p></blockquote>
<p>I bring this up here because I found an <a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E10A1FDB910EC4F5CA99B5F4C39169BE5~ATpl~Ecommon~Scontent.html">interview with Daniel Suarez</a> today which was published in the German newspaper FAZ. He sums up a point I always make about the slow development of the human brain in terms of evolution (there haven&#8217;t been major changes in the last 75.000-100.000 years), contrasted to the rapid changes in our environment, especially within the last 1.000 years.<br />
But he uses a computer metaphor to explain this:</p>
<blockquote><p>&#8220;The human brain evolved over hundreds of thousands of years to cope with its environment, and we can&#8217;t fundamentally change our &#8216;wiring&#8217; overnight. However, in a rapidly evolving technological world our slow, biological version cycle puts us at a disadvantage against those who&#8217;d like to push our mental buttons. We&#8217;re a stationary target. In some ways this is akin to being forced to run an unpatched version of Windows even as malware authors are scanning our source code for flaws.&#8221;</p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		<title>reclaim the soul for sciene</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 12:06:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>E.</dc:creator>
				<category><![CDATA[philosophy]]></category>
		<category><![CDATA[reviews: books]]></category>
		<category><![CDATA[science]]></category>

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Caspar Melville writes about Nicholas Humphrey’s new book &#8220;Soul Dust: The Magic of Consciousness&#8221;. 
I regularly have a very hard time to write a summary of a book, and Melville does a fantastic job. The review is very plausible and precise, and makes me want to read the book, in which Humphrey seems to offer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="right"><img src="http://static.guim.co.uk/sys-images/Books/Pix/covers/2011/2/1/1296577501208/Soul-Dust-The-Magic-of-Consc.jpg" alt="book" class="alignright"/></p>
<p>Caspar Melville writes about Nicholas Humphrey’s new book &#8220;Soul Dust: The Magic of Consciousness&#8221;. </p>
<p>I regularly have a very hard time to write a summary of a book, and Melville does a fantastic job. <a href="http://newhumanist.org.uk/2533/natural-history-of-the-soul">The review</a> is very plausible and precise, and makes me want to read the book, in which Humphrey seems to offer a drastically reductionistic explanation of the human soul and the human consciousness. </p>
<p>Melville sums up one of Humphrey&#8217;s main arguments: </p>
<blockquote><p>[...]in principle it should be possible for science to theorise what consciousness is, because it has been “seen” by natural selection. If we have it, the evolutionary logic goes, then it must in some way be useful, or at minimum a by-product of something that is useful, to have survived and in fact have flourished in humans. If natural selection can “see” the “physical basis” of consciousness in order to prefer it, then so, if we can develop the right conceptual armoury (something he acknowledges he has not fully achieved), can we. “Everything suggests,” Humphrey says, “that consciousness in all its glory has been designed, preferred through natural selection and amplified by evolution.”</p></blockquote>
<p>Beautifully simple. I find the problem itself very hard to comprehend and am not sure at all whether this is a viable approach, but the idea itself is great, the argument itself well constructed. </p>
<blockquote><p>“For a phenomenally conscious creature, simply being there is a cause for celebration.”<br />
&#8211; Nicholas Humphrey</p></blockquote>
<blockquote><p>&#8220;I suggest that organised religion is parasitic on spirituality, and in fact acts as a restraint on it.”<br />
&#8211; Nicholas Humphrey</p></blockquote>
<p>Amazon wishlist. Birthday present, anyone? ;)</p>
<p><em>(and once again: thanks to S.)</em></p>
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		<title>der untergeher</title>
		<link>http://www.revelation-of-silence.com/2011/03/26/der-untergeher/</link>
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		<pubDate>Sat, 26 Mar 2011 16:37:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>E.</dc:creator>
				<category><![CDATA[reviews: books]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Grunde wird das keine Rezension, sondern Frust-Ablassen.
Thomas Bernhard, &#8220;Der Untergeher&#8221;.  
&#8220;Der Untergeher ist schon als Untergeher geboren worden, dachte ich, er ist schon immer der Untergeher gewesen, und wenn wir genau sind in der Beobachtung unserer Umwelt, stellen wir fest, dass diese Umwelt fast nur aus solchen Untergehern zusammengesetzt ist, sagte ich mir, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Grunde wird das keine Rezension, sondern Frust-Ablassen.<br />
Thomas Bernhard, &#8220;Der Untergeher&#8221;.  </p>
<blockquote><p>&#8220;Der Untergeher ist schon als Untergeher geboren worden, dachte ich, er ist schon immer der Untergeher gewesen, und wenn wir genau sind in der Beobachtung unserer Umwelt, stellen wir fest, dass diese Umwelt fast nur aus solchen Untergehern zusammengesetzt ist, sagte ich mir, aus solchen Sackgassenmenschen wie Wertheimer, der von Glenn Gould schon im ersten Augenblick als solcher Sackgassenmensch und Untergeher durchschaut war und auch von Glenn Gould als Erster als Untergeher bezeichnet worden ist auf diese rücksichtslose, aber durch und durch offene kanadisch-amerikanische Weise, dass Glenn Gould völlig ungeniert ausgesprochen hat, was die anderen auch dachten, aber niemals augesprochen haben, weil ihnen diese rücksichtslose und offene, aber doch heilsame amerikanisch-kanadische Art nicht eigen ist, sagte ich mir, dass sie alle zwar schon immer in Wertheimer den Untergeher gesehen, sich aber nicht getraut haben, ihn auch als Untergeher zu bezeichnen;&#8221;</p></blockquote>
<p>An dieser Stelle kommt tatsächlich ein <em>Semikolon</em>. Der Satz geht noch gefühlte 5 Seiten weiter, ohne weitere Informationen zu enthalten. Das Buch ist eine einzige große Wiederholung, man fühlt sich im Kopf eines Menschen gefangen, der pausenlos Denkwiederholungen vornimmt, die alle kleinlichst genau von Bernhard hingeschrieben werden. Der Satz ist keine Ausnahme, viele Sätze gehen über eine halbe Seite, und nach den ersten zwei Zeilen folgen nur noch Wiederholungen, die Parataxen werden umkonstruiert, mit ähnlichen oder sogar denselben Wörtern. Und das auf über 150 Seiten. Das, was tatsächlich passiert, steht auf insgesamt zehn Seiten (er wartet im Gasthaus, und unterhält sich dann mit der Wirtin). Der Rest sind repetitive Erinnerungen und Wiederholungen von bereits Gedachtem in ähnlicher Form. </p>
<p>Und das geht ja noch, wenn er über sich nachdenkt. Wenn er über ein Gespräch mit jemand anderem nachdenkt, sieht das so aus:</p>
<blockquote><p>&#8220;Eines Tages, so er, werde ich zwischen Bach einerseits und dem Steinway andererseits zerrieben, sagte er, dachte ich. Lebenslänglich habe ich Angst, zwischen Bach und Steinway zerrieben zu werden, und es kostet mich die größte Anstrengung, dieser Fürchterlichkeit zu entgehen, so er. [zwei Zeilen] Eines Tages aufwachen und Steinway und Glenn in einem sein, sagte er, dachte ich.&#8221;</p></blockquote>
<p>Wahrscheinlich sind zehn Prozent der Wörter in dem Buch &#8220;sagte er&#8221; und &#8220;dachte ich&#8221;, oftmals direkt hintereinander gesetzt, auch oft in vielen Sätzen direkt hintereinander, jeweils am Ende der Sätze.</p>
<p>Und noch eins, weil es so schön ist:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ein solches unwürdiges Schicksal ist uns erspart geblieben, dachte ich. Von tausend Klavierspielern gehen nur ein oder zwei nicht diesen erbarmungswürdigen, abstoßenden Weg, dachte ich. Heute weiß kein Mensch, dass ich einmal Klaviert studiert habe [zwei Zeilen mit vielen Kommata], dachte ich.&#8221;</p></blockquote>
<p>Literatur ist Geschmackssache. Aber bei dem Buch kann ich einfach kein Verständnis dafür aufbringen, dass es so populär ist und Bernhard dafür so viel positives Feedback bekommen hat. </p>
<p>Zum Lob:<br />
Bernhard baut wunderbare Begriffe, alle 20-30 Seiten findet man eine kleine Perle.<br />
<em> Sackgassenmensch; Verzweiflungsmaschine; tödlicher Gemeinsozialismus; jemanden zu Boden schildern. </em><br />
Der einzige Grund, wieso ich das Buch zu Ende gelesen habe. </p>
<p>Für mich Note 5. Ich freue mich allerdings, wenn ihr anderer Meinung seid und mir schreibt, wieso ihr das Buch schätzt. </p>
<p>(<em>Anja, die nächste Buchempfehlung wird sehr argewöhnisch geprüft, bevor ich mir das Buch kaufe.</em>)</p>
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