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lass dich fallen

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Joseph Beuys – Lass dich fallen

Laß dich fallen,
lerne Schlangen beobachten,
pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemanden Gefährlichen zum Tee ein,
mache kleine Zeichen, die „Ja“ sagen und
verteile sie überall in deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen,
schaukle so hoch du kannst mit deiner Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen,
verweigere „verantwortlich zu sein“,
tue es aus Liebe.
Glaube an Zauberei,
lache eine Menge,
bade im Mondlicht.
Träume wilde phantasievolle Träume,
zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell dir vor, du wärst verzaubert,
kichere mit Kindern,
höre alten Leuten zu.
Spiele mit allem,
unterhalte das Kind in dir,
du bist unschuldig,
baue eine Burg aus Decken,
werde naß,
umarme Bäume,
schreibe Liebesbriefe.


December 28th, 2011  



doch heimlich dürsten wir …

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Anmutig, geistig, arabeskenzart
Scheint unser Leben sich wie das von Feen
In sanften Tänzen um das Nichts zu drehen,
Dem wir geopfert Sein und Gegenwart.

Schönheit der Träume, holde Spielerei,
So hingehaucht, so reinlich abgestimmt,
Tief unter deiner heiteren Fläche glimmt
Sehnsucht nach Nacht, nach Blut, nach Barbarei.

Im Leeren dreht sich, ohne Zwang und Not,
Frei unser Leben, stets zum Spiel bereit,
Doch heimlich dürsten wir nach Wirklichkeit,
Nach Zeugung und Geburt, nach Leid und Tod.

Hermann Hesse “Das Glasperlenspiel”

(via Solveig)


September 5th, 2010  



stairs

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As I was walking up the stairs
I saw a man who was not there
He wasn’t there again today
I wish – I wish he’d go away



July 15th, 2010  



moderne gretchenfrage

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Die Gretchenfragen, wie ich sie stellen würde …

Nun sag, wie hast du’s mit der Evolution?
Du bist ‘ne herzlich gute Frau, allein ich glaub,
du hälst nicht viel davon.


July 12th, 2010  



eternity

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What win I, if I gain the thing I seek?
A dream, a breath, a froth
Of fleeting joy.
Who buys a minute’s mirth to wail a week?
Or sells eternity
To get a toy?

– William Shakespeare, The Rape of Lucrece


April 16th, 2010  



choice

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And if you do not choose to see
That what we are we choose to be
– It’s hard, but is all one to me

(Nail Gaiman — The Sandman IX: The Kindly Ones)


March 9th, 2010  



was mich bewegt

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Was mich bewegt (von Rainer Maria Rilke)

Man muss den Dingen
Die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist austragen -
und dann
Gebären…

Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit …

Man muss Geduld haben,
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.

(mit großem Dank an Cornelia)


January 4th, 2010  



die spinnen und die fliegen

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Die Spinnen und die Fliegen.
Eine Fabel.

(Ludwig Anzengruber, März 1873)

In einem Schlößchen, das verlassen
Und darum halb verfallen stand,
Herbergten in den öden Räumen
Viel Dutzend Spinnen an der Wand.

Gesundheithalber aber mochte
Der letzte der Insassen hier,
Zerbrochne Scheiben nicht vertragen,
Und flickte alle mit Papier.

Er schnitt dadurch den vielen Spinnen
Der Nahrung Zufuhr gründlich ab,
Von außen kam nicht eine Fliege,
Wie es bald innen keine gab.
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November 13th, 2009  



grave inscription

all posts, ego, english, poetry 1 Comment »

I just came across the following sentences, and had to think of them as a possible gravestone inscription:

Don’t stand at my grave and cry. I am not here. I did not die.

I’d like that.

And here the confirmed full version of the poem (not the earlier version usually printed on postcards etc.), written by Mary Elizabeth Frye:

Do not stand at my grave and weep,
I am not there, I do not sleep.

I am in a thousand winds that blow,
I am the softly falling snow.
I am the gentle showers of rain,
I am the fields of ripening grain.

I am in the morning hush,
I am in the graceful rush
Of beautiful birds in circling flight,
I am the starshine of the night.

I am in the flowers that bloom,
I am in a quiet room.
I am in the birds that sing,
I am in each lovely thing.

Do not stand at my grave and cry,
I am not there. I do not die.

(Thanks to Alice – I didn’t even know the line was from a poem)


July 16th, 2009  



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