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die heilige schrift

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Die heilige Schrift ist ein Buch (eigentlich eine ganze Buchkollektion) mit viel Text. Es stehen sehr viele spannende und inspirierende Dinge darin, aber einige sind auch sehr widersprüchlich und grausam. Es soll hier heute gar nicht darum gehen, dass die heilige Schrift im Laufe der letzten 1.500 Jahre oft verändert wurde.

Es soll um die Inhalte gehen, die wir heute in der heiligen Schrift finden.

Ich sehe zwei Möglichkeiten, mit den Texten umzugehen:

  • Man nimmt das, was dort steht, als das, was dort steht – eben wörtlich. Im Koran zum Beispiel ist dies die einzig mögliche Lese-Art, da der Koran tatsächlich als Allah’s direktes Wort, was er dem Propheten Mohammed eingegeben hat, verstanden wird.
    Zurück zur Bibel: wörtlich ist nach etlichen Übersetzungen natürlich immer schwierig. Jesus, Gottes Sohn, wird in der Bibel oft wörtlich zitiert. Aus den genannten Punkten resultieren zwei Probleme: (A) ist es rein logisch unmöglich, die Bibel zu lesen, wie sie geschrieben steht, weil sie voller Widersprüche ist. Man kann daraus keinen Kodex, keine Lehre, keine empfohlenen Richtlinien und Verhaltensweisen ableiten, denn sie widersprechen sich vielfach. Es gibt natürlich auch Informationen, die nur einmal gegeben werden, und deswegen nicht widersprüchlich sind. Stellt sich die Frage, wie ernst man diese nehmen kann. (B) gibt es wohl kaum ein grausameres, antidemokratischeres, homophoberes, frauenfreindlicheres und menschenverachtenderes Buch als die Bibel. Niemand, der sie einmal ernsthaft gelesen hat, würde heute auf die Idee kommen, sie wörtlich zu nehmen. Und wenn doch, gehört er für immer eingesperrt.
  • Die zweite Möglichkeit ist, die Bibel zu interpretieren (lese: einige Stellen zu ignorieren). Dies öffnet Willkür Tür und Tor, und birgt, wie die Geschichte gezeigt hat, große Gefahr in sich: denn mit dieser Methode hat man u.a. die Kreuzzüge und die Inquisition sowie den Sündenablass gerechtfertigt, und niemand (auch kein Christ) würde heute bestreiten, dass das Hunderttausende (oder mehr) unschuldige Menschen das Leben gekostet hat. Wer also sagt, die Bibel müsse interpretiert werden, gesteht zu, dass auch die vielen extrem grausamen Stellen Richtigkeitsanspruch haben könnten, und dass jeder die Bibel interpretieren kann, wie er möchte – niemand würde ernstlich von sich behaupten, die einzig richtige Interpretation vorgenommen zu haben.

Es folgen zwei Zitationsblöcke.

Der erste veranschaulicht, wie widersprüchlich (und damit willkürlich) die Aussagen der Bibel sind. Was heute von den meisten Christen geglaubt wird, hat nur wenig mit dem zu tun, was in der Bibel steht, bzw. ist in höchstem Maße selektiv.

Der zweite Block zeigt, dass es viele extrem grausame Textstellen in der Bibel gibt, die man nicht “interpretieren” kann: wenn Gott mir in direkter Rede befiehlt, andere Menschen zu steinigen, gibt es daran wenig zu “interpretieren”. Man kann sie höchstens ignorieren, doch damit wird das komplette Buch hinfällig. Gottes Wort, aber man hört nur bei jedem zweiten Satz hin. Lasst uns doch in dem Fall ehrlich sein, und dazu stehen, dass wir unsere eigenen Regeln machen (Humanismus), und nicht aus einem Katalog mit vielen widersprüchlichen Regeln diejenigen herauspicken, die wir heute für adäquat halten, und ihnen deswegen Autorität einräumen, weil sie von Gott kommen.

Widerspruch

“Und ich hörte die Zahl derer, die versiegelt wurden: hundertvierundvierzigtausend, die versiegelt waren von allen Geschlechtern der Kinder Israel.” (Offenbarung 7)
→ Nur 144.000 Menschen sind auserwählt.

“Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet.” (Joh 3,18)
→ Glaube allein reicht aus.

“Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote.” (Mt 19,17)
→ Glaube allein reicht nicht aus, die Gebote müssen zusätzlich eingehalten werden.

“So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch Glauben allein.” (Jak 2,24)
→ Glaube allein reicht nicht aus, gute Taten sind notwendig.

“Denn aus Gnade seid ihr selig geworden (…) und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken.” (Eph 2,8-9)
→ Gute Taten sind nicht ausschlaggebend, sondern Gottes Gnade.

“Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr (Ungläubige).” (Mt 21,31)
→ Sünder haben im Vergleich zu Ungläubigen eine größere Chance auf den Himmel.

“Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken.” (Jh 6,54)
→ Nur wer das Fleisch und Blut von Jesus zu sich nimmt, kommt in das Reich Gottes.

“Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung.” (Hebräer 9,15)
→ Alle Menschen werden erlöst.

Gewalt

“Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der nicht auf die Stimme seines Vaters und seiner Mutter hört, und wenn sie ihn züchtigen und er trotzdem nicht auf sie hört dann sollen Vater und Mutter ihn packen, vor die Ältesten der Stadt und die Torversammlung des Ortes führen. Dann sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen und er soll sterben.” (Deuteronium Kapitel 21)

“Die Frauen seien untertan ihren Männern als dem Herrn” (Eph.5,22).

“Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz” (1 .Kor.1 1,7).

“Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie sich über den Mann erhebe, sondern sie stille sei. Denn Adam ist am ersten gemacht, danach Eva.” “Und Adam ward nicht verführt; das Weib aber ward verführt und hat die Übertretung eingeführt” (1.Tim.2,11-12).

“Wie in allen Gemeinden der Heiligen lasset die Frauen schweigen in der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, dass sie reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.” (1.Kor.11,7).

“Welcher des HERRN Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen.” (3. Mose 24,16)

“Ach dass die Gottlosen müssten zur Hölle gekehrt werden, alle Heiden, die Gottes vergessen!” (Psalmen 9,18)

“HERR, stehe auf, dass die Menschen nicht Oberhand haben; lass alle Heiden vor dir gerichtet werden!” (Psalmen 9,20)

“Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürgt sie vor mir!” (Lukas 19,27)

“So sollst du den Mann oder die Frau, die eine solche Übeltat (Anbetung anderer Götter) begangen haben, hinausführen zu deinem Tor und sollst sie zu Tode steinigen.” (5. Mose 5-7)

“Welcher des HERRN Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen.” (3. Mose 24)

“Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben.” (3. Mose 20,13)

“Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft werde im Meer, da es am tiefsten ist” (Mt 18,6)

“Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein.” (Mt 13,41-42)

“Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen” (Joh 15,6)

(Quelle: Google, Wikipedia, gottlos-gluecklich.de; ich bin kein Unterstützer dieser letzten Seite, aber einige Dinge sind dort sehr anschaulich aufbereitet)


November 26th, 2009  

7 Responses to “die heilige schrift”

  1. Basti
    November 27th, 2009 at 10:46

    Für mich liegt der Wert einer heiligen Schrift in der zweiten Möglichkeit – es geht nicht darum, zu lesen und interpretierend abzuleiten. Es kann eine Hilfe sein, um mit anderen über die wichtigen Themen des Glaubens, der Lebensführung und Ethik zu sprechen. Und manchmal auch einfach nur alleine über diese Themen nachzudenken.

    Diejenigen, die die Bibel als Grundlage einer solchen Reflexion bevorzugen, sind häufig Christen, solche, die das mit Battlestar Galactica machen nennt man Sci-Fi-Nerds :-)


  2. Lala
    November 27th, 2009 at 14:35

    Schon “Die Bibel und ich: Von einem, der auszog, das Buch der Bücher wörtlich zu nehmen” gelesen?


  3. E.
    November 27th, 2009 at 14:37

    Gerade auf Amazon geschaut und fündig geworden.

    Nein, das Buch habe ich weder gelesen noch davon gehört. Empfehlenswert?


  4. Franz
    December 1st, 2009 at 01:16

    Guter Artikel, aber teilweise geben die Paraphrasen nicht das wider, was im Text steht. Einiges ist auch etwas penibel gedreht. Allgemein aber völlig richtig, es strotzt nur so vor Widersprüchen und Gewalt. Ich würde behaupten, jeder vernünftige Christ, der die Bibel wirklich gelesen hat, kann sie nicht ernstnehmen. Es muss eine Auswahl stattfinden, denn “Du sollst nicht töten” und “Liebe deinen Nächsten” beißt sich mit dem Zerfleddern von Kindern, Auslöschen von Nachbarn und Vergewaltigung, was der “liebe” Gott gern mal im AT empfiehlt.

    Summa summarum würde ich sagen: Interessante Lektüre, allein deswegen, um zu wissen, was im meistgelesenen Buch der Welt drinsteht. Außerdem perfekt, um Christen den Stuss reinzureiben ;) Ansonsten gibt es seit 300 Jahren weit bessere Werke im Rahmen des Humanismus. Und wenn man sich ansieht, wie von Ägypten nach Griechenland nach Rom nach HRRDN nach Frankreich sich eine Rechtsauffassung durchgesetzt hat, die einen viel stimmigeren Kanon bietet, dann sollte man die ollen Kamellen auch im religiösen Bereich belassen und aus rationalen oder staatlichen Diskursen raushalten.


  5. Lala
    December 1st, 2009 at 12:20

    Ich würde das Buch nicht zu einem meiner Lieblingsbücher zählen, aber lesenswert ist es trotzdem.
    Der Mensch versucht wirklich die Gebote und Regeln der Bibel wörtlich zu nehmen, sowohl altes als auch neues Testament.
    So “steinigt” er z.B. einen Sünder im Park, in dem er ihn mit kleinen Kieseln bewirft.
    Oder versucht seine Reinheit zu erhalten, was nur funktioniert wenn er z.B. keinen Kontakt zu Frauen hat, die ihre Periode haben, das ist natürlich schwieirig, da man es Frauen nicht ansehen kann, also trägt er immer seinen eigenen Klappstuhl mit sich herum um sich nicht auf einem befleckten Stuhl nieder zu lassen usw…
    Vollkommen umsetzen kann er natürlich nicht alles, ist aber trotzdem auch recht lustig :)


  6. E.
    December 1st, 2009 at 12:22

    Werden denn die vielen Widersprüche thematisiert – oder sucht er sich eben willkürlich aus konfliktierenden Regeln diejenige aus, die ihm gerade am passensten erscheint?
    Die Rezensionen auf Amazon sind alle ganz gut, im Sinne von: witziges Buch. Nicht ernstzunehmen, aber witzig.


  7. Lala
    December 1st, 2009 at 12:34

    Die werden auch thematisiert ja, aber hauptsächlich geht es nicht darum. Er schreibt sich alle Regeln die in der Bibel stehen heraus und versucht sie einzuhalten.


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