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ohne bildung wähl’ ich CDU

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Letzte Woche haben deutschlandweite Proteste von Schülern, Studierenden und Lehrenden stattgefunden, um auf die momentane Situation in der Bildungspolitik in Deutschland aufmerksam zu machen. Ich werde darüber jetzt nicht groß berichten, wer davon nichts mitbekommen hat, soll sich schämen und hin und wieder einen Blick in analoge oder digitale Medien werfen :)

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Den Punkt, den ich gerne machen möchte, ist folgender:

Studierende, die sich für solcherlei Dinge engagieren (d.h. planen, Verantwortung übernehmen, ehrenamtliche Arbeit reinstecken), sind statistisch in der Regel politisch relativ links, teilweise sogar sehr weit links außen. Das führt dazu, dass bei solchen Protesten oft die Problematik entsteht, dass Forderungen vollkommen unrealistisch werden, und teilweise kontraproduktiv. In der ZEIT wurde am Mittwoch vor 12 Tagen ein sehr guter “Seitenhieb” (im Chancen Teil) veröffentlicht, der diesbezüglich ziemlich genau meine Meinung wiedergibt.

Ich habe mich dann auch bei der Studierendenvollversammlung der FU zu Wort gemeldet, und meine Position vorgetragen. Viele Studierende beteiligen sich nicht an den Protesten – es ist nicht ihre “Schuld”, sondern wir konnten sie nicht mobilisieren. Das ist der erste Punkt. Des Weiteren müssen wir mit unserem Protest die Gesellschaft überzeugen, und das in einem Staat, in dem ein riesengroßer Anteil der Wahlberechtigten Rentner sind! Auch das ist unsere Aufgabe. Ich habe mich dagegen ausgesprochen, dass wir uns mit Gott und der Welt solidarisieren, ich habe mich gegen den Antrag ausgesprochen, offiziell (im Rahmen der Bildungswoche – es ging um die Verabschiedung eines Forderungskatalogs) Stellung zu Nehmen zur Abschiebung von 100 Berliner Vietnamesen, ich habe mich dagegen ausgesprochen, Gleichberechtigung von homosexuellen Partnerschafen zu fordern, und was noch so alles drinstand (Solidarisierung mit Rentnern, Arbeitslosen, 1 Euro Jobbern und pi pa po …).
Das kann man alles gerne tun, aber nicht im Rahmen einer Demonstration, die auf die Bildungsmisere in Deutschland aufmerksam machen soll.

Wie zu erwarten haben die 95% der Studierenden applaudiert, die politisch irgendwo zwischen Mitte und Links stehen, und alle jenseits von Links haben ihrem Unmut Ausdruck verliehen. Was mich gefreut hat ist, dass sich auf der Vollversammlung einige Leute gemeldet hatten, mit ähnlichen Aussagen. Wir brauchen realistische, sinnvolle Forderungen, die umsetzbar sind. Wir brauchen Forderungen, die vernünftig, präsentabel und plausibel sind.

Wie es aber nun leider so ist – die Sprecher auf der riesigen Demonstration am letzten Mittwoch (18.06.2009 – ca. 15.000 Protestler) haben teilweise Sätze fallen lassen wie “Wer die Bildungspolitik ändern will, muss das SYSTEM STÜRZEN und den KAPITALISMUS ZERSCHLAGEN!1!!” …
Neben mir stand, als dieser Satz fiel, ein junger Ehepaar (Punks, sahen total wild aus), er meinte darauf zu seiner Frau in einem nachäffenden Tonfall, sichtlich amüsiert über den Unsinn aus dem Mikrofon: “Wollt ihr den totalen Krieg?!?!” …
Witzig, aber auch traurig. Ein Bekannter von mir (Grüße an dich, Tom *g*) hat an diesem Punkt die Demo verlassen. Ich kann gut verstehen, wenn man von soetwas kein Teil sein möchte, denn man ist ja einer von denen, die auf einer Veranstaltung sind, auf der solcherlei Sätze aus dem großen Mikro fallen …
Schwierig.

Man macht es mit einem solchen Unsinn den Politikern zu einfach. Das sieht man an der Reaktion von unserer Ministerin, die (wie der Spiegel es in der Tat sehr genial ausgedrückt hat) “formal auch für Bildung zuständig [ist]” (hehe, gut gemacht, Jungs): “Wer streikt, muss auch Fakten zur Kenntnis nehmen. Wer sagt, wir müssen Bachelor- und Masterstudiengänge wieder abschaffen, der nimmt nicht zur Kenntnis, dass Deutschland Teil des europäischen Bildungsraums ist.”

In keinem offiziellen Forderungskatalog taucht dieser Punkt auf (der natürlich auch Schwachsinn ist) – daher ist es natürlich extremst schwach von Frau Schavan, das so zu formulieren (natürlich hätte niemand etwas anderes erwartet). Aber auf den Demos wurden eben auch solche Fahnen geschwenkt. Hrm.

Ein bisschen wie mit den Irak Krieg Demos … die 2% Idioten, die damals amerikanische Flaggen verbrannt haben, haben die kompletten Demonstrationen diskreditiert.

Ich habe die lustigsten Plakete fotografiert (hier ein Zip File mit 41 Fotos, insgesamt 4mb), da sind wirklich einige sehr coole Sachen dabei :) … anschauen!

Ein paar Beispielbilder:

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June 22nd, 2009  

9 Responses to “ohne bildung wähl’ ich CDU”

  1. J.
    June 22nd, 2009 at 17:02

    Grundsätzlich bin ich Deiner Meinung. Der Advocatus Diaboli in mir fragt jedoch: Wie steht es damit, dass sich die Sprecher/Motivierenden/Leitfiguren dieser Bewegung an einer gegen die jetzige Gesellschaft gerichteten Utopie motivieren (müssen) um überhaupt das Engagement aufzubringen, den Organisationsaufwand auf sich zu nehmen und ihre Energie und Zeit für die Sache zu geben. Zumeist sind öffentliche Proteste geprägt von Extremen, ich würde wagen zu behaupten, dass Verhandlungen im politischen Bereich auf weit realistischerem Niveau als die Parolen für die demonstrierende Menge ablaufen.
    Aber grundsätzlich schrecken mich persönlich sowohl rechtlich unumsetzbare als auch politisch utopische Forderungen eher ab als dass sie mich motivieren würden. Beim Protest – der vornehmlich auf Öffentlichkeitswirksamkeit zielt – finde ich es allerdings nicht deplaziert.

    Anders sieht es natürlich aus mit schriftlich formulierten Forderungen.

    imho.


  2. E.
    June 22nd, 2009 at 17:10

    Was ich hier liefere ist ja im Grunde reine Deskription: Anführende der Bewegung sind oftmals links, teilweise sehr weit links außen, gerade Letztere schaden (kurzfristig: Fakt; langfristig: meine Meinung) der Bewegung durch diese Radikalität, indem sie es (1) nicht schaffen, selbst Studierende und andere Betroffene zu motivieren (ja, Studierende sind links, aber selbst Linke schütteln den Kopf bei einigen Forderungen der Radikalen, wenn ich also mobilisieren will, briet mobilisieren, muss es die Mitte und die leichte Linke sein), und es (2) dadurch verfehlen, Proteste in die breite Gesellschaft zu tragen.

    Durch Utopien schaden sie der Bewegung, weil ihre Forderungen als Unsinn abgetan werden. Wir können BA/MA gar nicht abschaffen – als ein Beispiel. Was haben bitteschön Homo-Ehen mit Bildungsprotesten zu tun? Forderungen werden intransparent, zu lang, etc pp.

    Nrgl. Deine Frage, ob man nicht auch durch nicht-radikale Utopien motiviert werden kann, kann ich allgemein nicht beantworten, ich kann dir nur sagen: ich kenne viele, die für eine vernünftige Sache eintreten; es besteht extrem viel Handlungsbedarf, ohne gleich Unsinn und eine radikale Abwendung von Kapitalismus und der Globalisierung zu fordern.

    Dich schreckt alles ab? Oder gibt es eine Mitte aus rechtlich umsetzbaren und politisch utopischen Forderungen?

    ta-ta
    E.


  3. J.
    June 26th, 2009 at 23:34

    [quote](1) nicht schaffen, selbst Studierende und andere Betroffene zu motivieren (ja, Studierende sind links, aber selbst Linke schütteln den Kopf bei einigen Forderungen der Radikalen, wenn ich also mobilisieren will, briet mobilisieren, muss es die Mitte und die leichte Linke sein)[/quote]
    Da steht bei mir das Fragezeichen. Für die Motivation sind überzogene Parolen ggf. gut. Aber das ist meine persönliche Meinung. UND: Selbstmotivation.
    Ich möchte keine Lanze für utopische Forderungen brechen – versteh mich nicht falsch – sondern die Absolutheit der Nachteiligkeit dieser Forderungen in Deinem Blogbeitrag relativieren ohne ihnen eine absolute Vorteilhaftigkeit zu unterstellen.

    [quote]Durch Utopien schaden sie der Bewegung, weil ihre Forderungen als Unsinn abgetan werden. Wir können BA/MA gar nicht abschaffen – als ein Beispiel. Was haben bitteschön Homo-Ehen mit Bildungsprotesten zu tun? Forderungen werden intransparent, zu lang, etc pp.[/quote]
    Ja! Vollkommen meine Meinung. Da habe ich mich ggf. mißverständlich ausgedrückt.

    [quote]Dich schreckt alles ab? Oder gibt es eine Mitte aus rechtlich umsetzbaren und politisch utopischen Forderungen?[/quote]
    Wie meinst Du das?

    J.


  4. E.
    June 27th, 2009 at 14:02

    [quote=eiko]Dich schreckt alles ab? Oder gibt es eine Mitte aus rechtlich umsetzbaren und politisch utopischen Forderungen? [/quote]
    [quote=jana]wie meinst du das?[/quote]

    Ich beziehe mich auf diesen Satz von dir oben:

    [quote=jana]Aber grundsätzlich schrecken mich persönlich sowohl rechtlich unumsetzbare als auch politisch utopische Forderungen eher ab als dass sie mich motivieren würden.[/quote]


  5. J.
    June 27th, 2009 at 18:20

    Den Bezug habe ich verstanden, danke. Die Frage verstehe ich nicht.

    Ein Versuch:
    Meine Aussage ist, dass mich – persönlich – rechtlich nicht-umsetzbare Forderungen + politisch utopische Forderungen eher abschrecken, d.h. ich eher nicht motiviert bin mich für eine Sache zu engagieren, wenn die dahinterliegenden Forderungen (nicht die Öffentlichkeitsarbeit) so geartet sind. Jedoch kann ich mir vorstellen, dass es nicht jedem so gehen muss. Das war und ist der Hauptpunkt.

    [quote=E.]Dich schreckt alles ab?[/quote]
    Wie kommst Du da drauf?
    Allgemeiner: Mich schrecken Forderungen ab, die entweder gegen die Verfassung, Menschenrechtsgrundsätze, Rechtstaatlichkeit oder das Rechtssystem i.A. gerichtet sind (s.o. “Bachelor- und Masterstudiengänge wieder abschaffen”) oder solche die dies nicht sind, jedoch realitätsfern (s.o. “den KAPITALISMUS ZERSCHLAGEN”).

    [quote=E.]Oder gibt es eine Mitte aus rechtlich umsetzbaren und politisch utopischen Forderungen?[/quote]
    Für mich sind das 2 Dimensionen: (1) Rechtlich umsetzbar-nicht umsetzbar, (2) politisch utopisch-nicht utopisch. Deshalb existiert eine “Mitte”.

    Ist klarer geworden, was ich meinte?


  6. E.
    June 29th, 2009 at 10:37

    Total klar geworden – danke :)


  7. Alex
    July 1st, 2009 at 18:04

    das ist das ergebnis von bologna – oder deutschland versucht mehr schlecht als recht europäische standards einzuführen.


  8. E.
    July 2nd, 2009 at 01:43

    Es gibt durchaus die Moeglichkeit, die europaeischen Vorgaben sinnvoll umzusetzen – man braeuchte dafuer eben nur deutlich mehr Kohle und Einsicht auf Seiten der “Macher”.


  9. revelation of silence » Blog Archive » politik reagiert auf bildungsproteste
    July 7th, 2009 at 22:21

    [...] der Bildungswoche im Juni, in der sich mehrere Hunderttausend Menschen in Deutschland für bessere Bildungs engagiert hatten, [...]


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