Update, 20.03.2009:
Der Papst hat gerade nochmal ganz klar und deutlich gesagt, dass er auch in Fällen, bei dem das Leben der Mutter in Gefahr ist, ganz klar gegen Abtreibung ist (wir reden hier auch von vergewaltigten Frauen und Mädchen).
Sperrt den Mann bitte ein – langsam reicht es.
Originalthread, 06.03.2009:
- Ein 9 jähriges, brasilianisches Mädchen wird von ihrem Stiefvater vergewaltigt. Sie wird mit Zwillingen schwanger.
- Im vierten Monat entscheiden sich Mutter und ein Team aus Ärzten, die Zwillinge abzutreiben, da Lebensgefahr für das zierliche Mädchen besteht. Abtreibungen sind in Brasilien illegal, Ausnahmen sind möglich, wenn (A) das Leben der Mutter in Gefahr ist, (B) das Kind keine Überlebenschance hat oder (C) die Mutter Opfer einer Vergewaltigung war und die Schwangerschaft noch nicht die 20. Woche überschritten hat. (A) trifft in diesem Fall also zu, das Mädchen darf legal abtreiben.
- Der brasilianische Erzbischof Jose Cardoso Sobrinho exkommuniziert Mutter und Ärzte aus der Kirche. Der Schwangerschaftsabbruch sei aus Sicht der Kirche ein Verbrechen, so Cardoso, und “Gottes Gesetz” stehe über den Gesetzen der Menschen.
Ganz ehrlich: es wird Zeit, dass dieser Mist aufhört. Wir müssen uns human verhalten, weil wir Menschen sind, weil es sinnvoll ist, als Mensch unserem Nächsten zu helfen; weil wir es wollen, weil wir es für richtig halten.
Wir müssen uns aus humanistischen Motiven dazu entscheiden, anderen zu helfen, und nicht deswegen, weil wir Angst vor irgendeiner Hölle haben, oder Angst davor, nicht in irgendein Paradies zu kommen.
Die Kirche muss aufhören, den Menschen im Weg zu stehen. Dieses Leben hier ist entscheidend. Wir müssen jetzt und hier Veränderungen anregen, wir müssen die Lebensqualität dieses Lebens verbessern – denn das ist alles, was wir haben. Und wenn ein 9 jähriges Mädchen vergewaltigt wird, dann muss es nicht sterben, weil irgendein verbohrter Idiot kein Mitgefühl aufbringt. Das Mädchen darf selbstverständlich leben, wie der Erzbischof auch leben darf. Es muss nicht für irgendeine wirre spirituelle Ideologie sterben, die heute in dieser Form keinen Platz mehr hat und mehr Leid alles Hoffnung und Erlösung bringt.
Die Welt hat sich weitergedreht – und wir müssen uns den Herausforderungen stellen. Der Papst und die katholische Kirche tragen durch ihre erzkonservative, verbohrte und antiquierte Politik, die beispielsweise nach wie vor Kondome verbietet, direkt Schuld am Tod von unzählbar vielen Menschen, die sich z.B. deswegen an HIV infizieren. Wenn die katholische Kirche, die einen großen Einflußfaktor in Afrika spielt, endlich einmal zwei Schritte weiter gehen würde, wäre die AIDS Prävention viel wirkungsvoller (bzw. weniger kontraproduktiv).
Auch in Brasilien sterben jedes Jahr Tausende Frauen, weil sie heimlich versuchen abzutreiben.
tagesschau.de schreibt dazu:
Aufgrund des allgemeinen Abtreibungsverbots lassen nach Behördenschätzungen jährlich rund eine Million Frauen heimlich abtreiben, tausende sterben dabei. Versuche des Gesundheitsministeriums, die Gesetze zu liberalisieren, scheiterten bisher am Widerstand der katholischen Kirche.
Da fehlen einem schlicht die Worte.
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March 6th, 2009 at 19:41
Absolut Deiner Meinung. Was da passiert ist so falsch, dass man es mit Unglauben liest. Und ein Bischof, der meint, über dem Gesetzt “der Menschen” zu stehen, der sollte ebendiese Einstellung bei der nächsten Gerichtsverhandlung zu Last gelegt bekommen.
Wichtig finde ich aber doch, die katholische Kirche und ihre unmoralischen, menschenverachtenden Machenschaften von der christlichen Religion zu trennen. Denn letzlich haben diese beiden Dinge nicht mehr miteinander zu tun als weiße Kleidung zu tragen und Arzt zu sein.
March 7th, 2009 at 03:13
[...] der Würde eines Menschen zu stehen scheint, gestellt wird. Die Frage, ob das Appell von revelation-of-silence.com hier allerdings etwas ausrichten kann, scheint daher mehr als nur berechtigt: “Ganz ehrlich: [...]
March 7th, 2009 at 08:27
Als ob das “Gesetz Gottes” nicht von Menschen gemacht wäre.
March 7th, 2009 at 10:51
@Basti:
Ich würde hier sogar noch einen Schritt weiter gehen – ich kenne persönlich nämlich einige ganz ganz tolle Katholiken. Die Trennung sollte man also vielleicht nicht zwischen der katholischen und der christlichen Kirche ziehen, sondern zwischen diesen und jenen Menschen – die sich überall finden lassen, ob in der katholischen Kirche oder der evangelischen, ob bei Atheisten oder Agnostikern.
March 10th, 2009 at 23:19
Ich will nicht zu sehr in diese Religion-Moral-Philosophie-Debatte (bei der man am Schluss nur noch am Begriffe definieren ist und wirre, wechselseitige Kausalitätspfeile zwischen ALLEN Konstrukten hat) reingehen. Aber einen elementaren Punkt will ich doch kurz aufgreifen:
Zwei wichtige Funktionen, die alle Religionen erfüllen:
1.) Es nimmt uns die Angst vor dem Tod indem es uns den Weg dahinter (die Erlösung, das Paradies,…) aufzeichnet
2.) Es gibt uns eine Erklärung für unser Leid durch eine Bedeutung (es ist eine Prüfung, wir haben eine Mission, wir sind das außerwählte Volk,…)
Wenn man sich diesem Ventil (für die oben stehenden Punkte) bedient, nimmt man dummerweise einige Nebenwirkungen in Kauf: Tod und Leid sind nicht mehr schlecht oder schlimm an sich, sondern haben eine göttliche Bedeutung! Der erleichternde Effekt hat aber weitergehende Konsequenzen: Aus “Du musst dich nicht fürchten” wird “Du darfst dich nicht fürchten”. Die Mechanismen, die (von der Metaebene aus) den Menschen befreien sollen, ergeben auf der “phänomenologischen” Ebene neue Zwänge.
Dadurch, dass der Tod nicht mehr so schlimm ist, ist er nicht mehr so schlimm…
Meine persönliche Meinung ist ja: Der Erzbischof (bzw. die praktizierte Auslegung dieser Religion) ist ein Arschloch. Andererseits ist er nur konsequent.
So, um an deinen Appell anzuknüpfen (das gilt für deinen kompletten Text, ich greife aber nur einen Satz raus): -”Wir müssen uns human verhalten”
Nein, müssen wir nicht. Aber unsere “humanistische” Weltsicht sagt das zu uns…für die da drüben ist das Jenseits ja viel interessanter.
Es ist also eher ein Wettbewerb der Weltanschauungen um die Menschen für sich zu gewinnen (für die Martialischen: Ein Kampf): Der Humanismus gegen einen bestimmten (Rein-)Typus von Religion (oder auch Ideologie) . Deswegen gebe ich dir da Recht Eiko: Die Strategie muss sein “Antihumanistisches” (sorry für das Wort) 1.Aufzeigen 2.Anklagen 3.Verurteilen!
Hugh…
March 10th, 2009 at 23:41
Hugh!! großer Krieger.
Ein Wettbewerb der Weltanschauungen – dabei geht es darum, ob wir unseren Fokus auf das Diesseits, oder auf das Jenseits legen. Darüber gibt es im Buch “Manifest der evolutionären Humanismus” (Rezension unter http://www.revelation-of-silence.com/2008/12/01/manifest-des-evolutionaren-humanismus/) ein paar sehr spannende Gedankengänge.
Was mir dazu noch spontan einfällt, ist eine auffallende Asymmetrie: wenn wir auf der einen Seite (1) die Humanisten, Idealisten, Weltverbesserer, Realisten, Veränderer und Möchtegern-Veränderer nehmen, und auf der anderen (2) diejenigen, die Leid ohne Aufstand einfach so akzeptieren, und sich in ihr “Schicksal” fügen, dass sie als “Gottes Wille” bezeichnen, dann entsteht dabei ein spannendes Problem.
(1) wirkt bezüglich der Bedürfnisse, Lebensbedingungen, Umstände und Standards zumindest neutral, faktisch natürlich oft positiv (Ausnahmen: masochistische Supereremiten) auf (2).
(2) wirkt maximal neutral auf (1) – mit klaren Tendenzen zu negativen Auswirkungen. Beispiele gibt es hier natürlich viele, angefangen bei dem Artikel, um den es hier geht, bei der Debatte um AIDS und Kondome, wo die katholische Kirche ganz klar direkt Leid fördert, weil sie Aufklärungsarbeit sabotiert, bis hin zu den abertausenden religiösen Verfolgungen und Säuberungen, die uns aus den letzten 5 Jahrtausenden dokumentiert vorliegen.
Nun muss man natürlich, wie oben geschrieben, hier aufpassen – es gibt viele religiöse Menschen, die sich nicht blind mit ihrem Schicksal abfinden, sondern daraus große Kraft schöpfen, um die diesseitigen Zustände zu verändern. Diese Menschen bringen vielleicht sogar mehr Kraft auf, als Agnostiker aufbringen könnten – weil ihr Leben u.U. eine Spur mehr “Sinn” enthält (daraus müsste man, um es korrekt zu formulieren, einen sehr viel längeren Absatz machen, aber die Idee wird klar).
ta-ta
E.
PS.: 4. Verbrennen :)
March 11th, 2009 at 00:24
Ja es geht gar nicht um Religion / Atheisten-Agnostiker sondern um Humanisten und…ja, eben…Nicht-Humanisten :) Dabei können Religionen auf beiden Seiten stehen. Manchmal sind die Gläubigen die besten Humanisten (Mutter Theresa) und die Atheisten die schlimmsten Nicht-Humanisten (siehe Stalin).
Aber nein zu deiner Asymetrie! Nur unter bestimmten Bedingungen gilt das, in der die Nachteile voll zum tragen kommen (z.B. Fasten wenn ich im Überfluss lebe) und die Vorteile nicht (jung, gesund und noch nicht mit dem Tod konfrontiert). So, jetzt steck mal den gleichen Kerl in eine Extrem-Situation (Krieg WWI ,II oder in ein Konzentrationslager). Wenn der ein einigermaßen tragfähiges Gerüst hat, das ihm die ganze Sache erklärt und Sinn gibt, dann hat sich die Asymetrie voll zu Gunsten der anderen Seite verschoben.
Also, je mehr Leid jemand erfahren muss, desto “sinnvoller” ist ein Gedankengerüst wie “Schicksal” oder “Gott will es”. Je weniger Leid man erfahren wird in seinem Leben, desto “sinnvoller” ist der rein humanistische Ansatz. Leid muss dabei ja nicht nur körperlich sein…
PS: Ein schönes Beispiel für eine, wie ich finde sehr gelungene Synthese aus Religion und Humanismus: http://de.wikipedia.org/wiki/Bahai . Vielleicht eine Lösung?
March 18th, 2009 at 23:41
[...] Vor 12 Tagen habe ich folgendes geschrieben: Der Papst und die katholische Kirche tragen durch ihre erzkonservative, verbohrte und antiquierte Politik, die beispielsweise nach wie vor Kondome verbietet, direkt Schuld am Tod von unzählbar vielen Menschen, die sich z.B. deswegen an HIV infizieren. Wenn die katholische Kirche, die einen großen Einflußfaktor in Afrika spielt, endlich einmal zwei Schritte weiter gehen würde, wäre die AIDS Prävention viel wirkungsvoller (bzw. weniger kontraproduktiv). [...]
October 1st, 2009 at 13:40
[...] Brasilian Archbishop recently excommunicated a 9 year old girl because of an abortion – she had been raped by her father and was pregnant with twins. Giving [...]