Ich habe gerade Teile aus der Autobiographie Darwins gelesen, und finde die Arbeit nicht nur inspirierend, sondern auch einfach sehr lebenswert. Er schreibt viel über sich selbst, und zwar nicht in narzistischem Größenwahn, und auch nicht im fishing-for-compliments Stil. Ich habe wirklich das Gefühl, dass er ernst meint, was er schreibt.
So analysiert er zum Beispiel die “geistigen Fähigkeiten und Bedingungen”, die seinem Erfolg zu Grunde lagen.
Darwin schrieb sich selbst keine besonders große Auffassungsschnelligkeit zu, wie man sie sonst bei manch klugen Leute vorfinde. Er hielt sich auch für einen schlechten Kritiker und beurteilte sein Vermögen, langen und abstrakten Gedankengängen zu folgen, als sehr begrenzt. Er glaubte jedoch, Erfindungsgabe, gesunden Menschenverstand und Beurteilungsvermögen zu besitzen, aber nur in dem Maße, “wie sie jeder eingermaßen erfolgreiche Anwalt oder Arzt haben muss, jedoch, wie ich glaube, nicht in irgendeinem höheren Maße”. Den wichtigsten Grund für seinen Erfolg sah Darwin in seiner “Liebe zur Wissenschaft – unbegrenzter Geduld, über jeden Sachverhalt lange nachzudenken – und einem Gutteil an Erfindungsgabe und gesundem Menschenverstand. Es ist wahrhaftig erstaunlich, dass ich mit solch mäßigen Fähigkeiten, wie ich sie besitze, in beträchtlichem Ausmaß die Ansichten von Wissenschaftlern in einigen wichtigen Punkten beeinflusst haben soll.
— Quelle: Meyer, Schützwohl & Reisenzein: Einführung in die Emotionspsychologie, Band II
EDIT:
Ich habe gerade gelesen, dass Darwin in einem seiner späten Bücher über menschliches Erleben und Verhalten eine Emotionstheorie beschreibt, bei der er von der Lamarck’schen Vererbungslehre ausgeht: (1) Menschen eignen sich Emotionen zufällig an, (2) sie stellen einen Anpassungsvorteil dar, (3) Menschen geben dieses (ontogenetisch entwickelte und gezeigte) Verhalten dann an ihre Nachfahren weiter.
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September 15th, 2008 at 06:00
Interessant. Darwin als Person wird ja kaum beachtet, im Gegensatz zu anderen Forschern.