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doping

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Link of the day: ein Interview des Magazins Spiegel mit Angel Heredia, einem langjährigen Sportler, Chemie-Fan und Drogenbeschaffer vieler namhafter Sportler, der jetzt in den US in ein Kronzeugenschutzprogramm aufgenommen wurde, hochinteressant, und sehr desillusionierend. Er sagt, dass auf der Ebene des Leistungssport heute überall gedopt wird, dass Drogenkontrollen eine Farce sind, und plädiert dafür, einige Dopingmittel wie Epo, IGF, Testosteron und Adrenalin freizugeben – diejenigen Stoffe, die der Körper selbst produziert; aus pragmatischen Gründen, weil eine Verfolgung unmöglich ist, und auch wegen der “Fairness”, um interindividuelle Unterschiede auszuschalten.

SPIEGEL: Das ist Ihr Ernst: Fairness?
– HEREDIA: Ja, nehmen wir die populärste Droge: Epo. Epo verändert den Hämoglobinwert, und die Menschen haben nun einmal unterschiedliche Hämoglobinspiegel. Die Freigabe würde also jene Gerechtigkeit und Gleichheit ermöglichen, die angeblich alle wollen. Normale Athleten haben einen Level von 3 Nanogramm Testosteron pro Milliliter Blut; der Sprinter Tim Montgomery hat 3 Nanogramm, Maurice Greene aber hat 9 Nanogramm. Was kann Tim tun? Nicht Doping mit körpereigenen Stoffen ist ungerecht, die Natur ist ungerecht.

SPIEGEL: Noch mal: Konstante Leistung auf Weltniveau ist ohne Doping undenkbar?
– HEREDIA: Ja. 44 Sekunden über 400 Meter? Undenkbar. 71 Meter mit dem Diskus? No way. Es kann vorkommen, dass einer mit Rückenwind einmal 100 Meter in 9,8 Sekunden läuft. Aber zehnmal im Jahr unter 10, bei Regen oder Hitze? Nur mit Doping.

SPIEGEL: Gedopt wird auf jedem sportlichen Niveau?
– HEREDIA: Ja, da unterscheidet sich dann nur die Qualität des Dopings. Die Armen nehmen die simplen Steroide und hoffen, dass sie nicht kontrolliert werden. Wenn du zu den Stars gehörst, verdienst du 50.000 Dollar im Monat, dazu kommen Antrittsgelder und Schuhverträge. Bist du oben, investierst du 100.000 Dollar, und ich baue dir eine unauffindbare Designerdroge.
SPIEGEL: Erklären Sie uns das.
– HEREDIA: Designerdrogen setzen sich aus mehreren Chemikalien zusammen, die die gewünschte Reaktion herbeiführen, und dann verändere ich am Ende der Kette ein, zwei Moleküle so, dass die ganze Struktur den Rastern der Fahnder entgleitet.

SPIEGEL: Können die Tester dieses Rennen noch gewinnen?
– HEREDIA: Theoretisch: ja. Wenn sich alle Verbände und Sponsoren und Manager und Sportler und Trainer einig sind und alles Geld, das der Sport einbringt, einsetzen und wenn jeder Sportler zweimal pro Woche kontrolliert wird – nur dann. Was jetzt passiert, ist lächerlich. Alibi. Das Geld sollte man sparen – gebt es mir, und ich verteile es unter den Waisenkindern Mexikos! Solange es kommerziellen Sport gibt, die Schuhverträge, die an Leistung gekoppelt sind, und die Fernsehverträge, so lange wird gedopt.

SPIEGEL: Gibt es noch saubere Sportarten?
– HEREDIA: Leichtathletik, Schwimmen, Skilanglauf, Radsport sind nicht zu retten. Golf? Auch nicht sauber. Fußball? Fußballer kommen zu mir und sagen, sie müssen die Linie rauf- und runterrennen, ohne zu ermüden, und alle drei Tage spielen. Basketballer nehmen Fett-Verbrenner, Amphetamine, Ephedrin. Baseball? Haha. Steroide in der Vorbereitung, Amphetamine im Spiel. Selbst Bogenschützen nehmen sogenannte Downer, damit ihr Arm ruhig wird. Alle dopen.


August 18th, 2008  

One Response to “doping”

  1. revelation of silence » Blog Archive » olympics 2008: a summary
    August 25th, 2008 at 11:14

    [...] posted before, there are lots of discussions about doping at the Olympics in Beijing. Only six doped athletes [...]


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