datenschutz mal anders

In den Tagesthemen war es der vierte Bericht heute abend und lief um 20:08 Uhr, auf tagesschau.de ist der Report über die “Datenpanne” als viertes zu finden - und dabei gehört die Geschichte für mich ganz oben hin, und es verwundert ich, dass zuerst über Ölpreise oder Fußball berichtet wird.

Was ist passiert? Der Marktführer für kommunale Behördensoftware, die 1991 gegründete Firma HSH aus Ahrensfelde im Osten von Berlin, hat Software mit Standardlogin und -Passwort ausgeliefert, die auf der Homepage einzusehen waren - und offensichtlich vergessen, die Kommunen darauf hinzuweisen, dass automatisch eingestellter Login und Passwort geändert werden müssen, da sonst auf die Daten einfach aus dem Internet heraus zugegriffen werden kann. Von jedem. Bei wem die Schuld genau liegt ist bis jetzt noch unklar - vielleicht haben die Kommunen hier auch geschlampt.

Von welchen Daten sprechen wir hier? Reisepass- und Personalausweisnummer, Fotos, Geburtsdatum, aktuelle und frühere Wohnorte, Finanzdaten, und viele mehr.

Betroffen sind ungefähr 200 Gemeinden mit über einer halben Million Bürgern.

Das ist für mich absolut unglaublich - mit das Schlimmste, was ein Staat seinen Bürgern überhaupt antun kann. Ich bin schockiert und gespannt auf die Konsequenzen.

Comments

  1. Basti said:

    Wahnsinn, und man kann die Beamten ja nicht mal dafür feuern. Einfach nur Wahnsinn. Wird nur getoppt von 30 Jahren radioaktiver Lauge sowie zweimal hintereinander CD-ROMs mit geheimen Bürgerdaten verlieren (britische Regierung).

  2. E. said:

    An dich musste ich beim Schreiben denken, Basti - mir war klar, dass du das sehr ähnlich siehst!

    Und klar, die Briten haben sich im letzten halben Jahr ebenso Unglaubliches geleistet. So etwas darf, nein, soetwas *kann* eigentlich gar nicht passieren, wenn sich die Beteiligten nicht grob fahrlässig verhalten.

    Und grobe Fahrlässigkeit ist zumindest strafbar.

  3. Basti said:

    Genau, aber da ist der Protektionismus gegenüber den Beamten wohl zu groß. Wo überall schon längst geklagt worden wäre, muss da schon mehr Bürger-Ärger her…

  4. Joe said:

    Nun mal langsam - nicht immer alles auf die Handlanger “derer da oben” schieben. Wenn Menschen nicht richtig ausgebildet werden, trifft nicht sie die Schuld für ihre Fehlentscheidungen, sondern diejenigen, die wider besseres Wissen Informationen nicht weitergegeben haben.
    Imo ist das die Softwarefirma, da derzeit keiner derartiges Wissen bei typischen deutschen Kommunalbeamten erwarten kann.

    Ein Unding ist das natürlich ohne Zweifel.

  5. revelation of silence » Blog Archive » datenklau - mal wieder said:

    […] Posts zum Thema Datenschutz: — Datenschutz mal anders (23.06.2008) — Datenschutz […]

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