photography workshop (1)

From May 2005 until a few months back, I tried to ignore people as photography motives as hard as possible. And it worked pretty well, actually. I focused on architecture, landscape, and small weird things and oddities.

But then, joining a few communities, and having very beautiful people around me I am allowed to bug with my camera, I got more and more interested in taking pictures of people. So much actually, that (although I should really get my master’s thesis done) I went on a workshop a few days back.

Here is a first result. Other photographs will follow the next days (click the link to see a larger version).
regina #1

More results:

Comments

  1. Basti said:

    Cooles Photo! Wieviel davon ist Nachbearbeitung? Was waren so die besten Dinge, die Du auf dem Workshop gelernt hast? Wurden die Models engagiert, oder musstet ihr selbst suchen?

  2. E. said:

    Es ist viel nachbearbeitet, aber wenig davon relevant. An der Haut habe ich sehr viel gedreht, die ist sehr klar strukturiert, mit vielen Unebenheiten. Ich bin aber noch nicht zufrieden - hatte nur wenig Zeit, das besser zu machen (siehe ihre rechte Backe). Ansonsten habe ich einen Gulli und ein Stativ aus dem Bild entfernt, das war durchaus mehr Aufwand (Stativ sieht man nicht, Gulli links unten schon, aber nur sobald man es weiss).
    Ansonsten eben Standard: Augen hervorheben, Makeup Sättigung anheben, Strukturen wie Augen und Haare selektiv nachschärfen.

    Was ich gelernt habe? Am meisten dass man erst schaut, und dann fotografiert. Das klingt banal, aber gerade bei Studiofotografie stimmt es einfach. Man kann ruhig 5 Minuten lang dem Model sagen, was es tun soll, und fünf Minuten einfach durch die Kamera schauen. Und dann einmal klicken, wenn alles perfekt ist.
    Ein Fotograf meinte, der beste Workshop, den er je als Teilnehmer mitgemacht hat, war ein 12 Stunden Workshop. 12 Settings, pro Settings nur 1 Foto (!!!). Das waren am Ende bei jedem Teilnehmer allerdings 12 super krasse Fotos, und man konnte nicht sehen, wer Profi, und wer Anfänger ist.

    Darüberhinaus habe ich explizit nicht sehr viel gelernt - aber implizit eine Menge, denke ich. Und was krass ist: Studio ist so unglaublich viel Mathematik. Du hast 2-x Lichter, und misst dann mit einem Belichtungsmesser, welche Blende an welcher Stelle vom Körper eingestellt werden müsste. Also z.B. bei Licht von vorne hast du im Gesicht Blende 16.3; dann will man seitlich Schatten im Gesicht, also macht man die Lampe gerade so stark, dass man dort Blende 11 hat. Denn alles drunter wäre auf dem Bild fast schwarz.
    Man misst dann den Bauch, sieht “oh Blende 6″, das ist also viel zu dunkel. Also baut man eien Lampe an die Seite, die den Bauch beleuchtet.

    Das ist bei dem Outdoor Shot hier kaum der Fall gewesen, aber die Bilder, die ich drinnen gemacht habe, betrifft das immens.

    ta-ta
    E.

  3. Basti said:

    Interessant… Das würde ich ja auch alles gerne mal ausprobieren. Leider ist es gar nicht so einfach, die Mädels, die photogen sind, auch vor die Kamera zu kriegen.

    Photoshop habe ich leider nie richtig gelernt, besonders in Sachen Hautunebenheiten ausbessern will ich mir bei Gelegenheit noch einiges anlesen.

  4. miserable old bat said:

    Und warum müssen auf Fotos Menschen perfekt aussehen? Warum können Haut, Haare, Augen… nicht einfach so bleiben, wie sie auch tatsächlich sind?
    Menschen sind nicht perfekt, in keinerlei Bezug! Warum wollt Ihr sie auf Fotos unbedingt perfekt, ohne ihre kleinen und großen Fehler zeigen?

  5. E. said:

    Menschen müssen auf Fotos nicht perfekt aussehen. Wenn du aber Beauty und Fashion Fotografie machst, und damit Geld verdienen möchtest, dann müssen sie es.

    Ich retuschiere sehr viele Bilder, besonders diejenigen, die sehr schwieriges Licht haben. Ich übe einfach - wenn ich Photoshop gut beherrsche kann ich immer noch entscheiden, wie ich Menschen auf meinen Bildern haben möchte.

    Bis dahin versuche ich mir die “state of the art” Techniken anzueignen - und Hautretusche gehört bei Beauty und Fashionfotografie eben dazu.

  6. Joe said:

    @old bat:
    Ich stimme dir voll zu: Nachbearbeiten verändert die abgebildete Realität und ist daher eher…..seltsam.
    Aber: Wenn man ein Bild nicht macht um einen Zeitpunkt so einzufangen wie er aus einem bestimmten Blickwinkel aus gewesen ist, sondern Kunst schaffen will ist das wohl etwas anderes. Nachbearbeitung ist imo dann auch nicht mehr anders als die Auswahl besonderer Beleuchtungszeiten, Filter oder Kontraste.

  7. E. said:

    “Nachbearbeiten verändert die abgebildete Realität und ist daher eher…..seltsam.”

    Die Denke ist deutlich zu kurz gegriffen, Joe.

    1) Die Welt ist nicht so, wie wir sie wahrnehmen. Wir haben etliche Wahrnehmungsheuristiken, die die Wahrnehmung verzerren; abgesehen davon ist unsere Wahrnehmung stark eingeschränkt (vgl. Hunde, Bienen, et cetera.)

    2) Die Kamera bildet die Realität auch nicht so ab, wie sie ist. Sie versucht (teilweise), menschliche Heuristiken nachzuahmen - das gelingt ihr aber selbstverständlich sehr häufig einfach nicht.

    Daher kann man die “Realität” mit Bildern per se erstmal nicht abbilden. Insofern ist es auch seltsam davon auszugehen, dass Retusche etwas an der abgebildeten Realität ändert. Glaube mir, ein RAW Bild aus einer Kamera ist, da es für Nachbearbeitung ausgegeben wurde, häufig kontastarm, farblos, und nicht besonders scharf. Das ist eindeutig nicht die Realität :). Das wird dann in Photoshop auf Werte gedreht, die der Künstler schön findet.

    Für mich ist meine Fotografie immer Kunst, egal ob ich nun versuche, ein Gebäude so darzustellen, wie es “ist”, oder einen Menschen zu etwas zu machen, was er nie dachte was er sein könnte.

    “Nachbearbeitung ist imo dann auch nicht mehr anders als die Auswahl besonderer Beleuchtungszeiten, Filter oder Kontraste.”
    Noch einfacher: Nachbearbeitung ändert einfach nur Pixel im Bild von einer Farbe zu einer anderen. Und da gibt es überhaupt keinen Unterschied, ob man das Bild (für das menschliche Auge) krass verändert, retuschiert, Farbfilter oder ähnliches verwendet - oder einfach nur Kontraste und Schärfe anhebt und das Bild S/W färbt. Es finden Pixelveränderungen statt, Punkt.
    Aber nur weil das auf so einen simplen Zusammenhang runtergebrochen werden kann, heisst es doch nicht, dass es keine Kunst ist? Picasso hat auch nur weiße Pixel auf einer Leinwand zu bunten Pixel gemacht.

    Abgesehen davon ist das doch nichts Neues - nur ein anderes Mittel: schon immer wurde retuschiert. In der Malerei, in Bildnissen, in Statuen, Wandgemälden, Zeichnungen, beim Computermodeling, in historischen Geschichten … wieso habe ich noch nie gehört, dass sich darüber jemand echauffiert? :)

    Nochmal: ich stehe nicht in der “es muss retuschiert” werden Ecke. Ich habe Bilder von Lisa online, die über den Blaukanal konvertiert sind, was ihre Sommersprossen viel krasser zur Geltung bringt, als sie eigentlich aussehen. Ich finde das sehr schön. Ich finde auch Bilder von Lasse Nullermanden wunderschön, der alte Leute über den Blaukanal in schwarz weiß konvertiert, was Falten und Hautunreinheiten wahnsinnig krass verstärkt.

    “Warum können Haut, Haare, Augen… nicht einfach so bleiben, wie sie auch tatsächlich sind?”
    Zum einen werden Menschen auf Bildern nicht so abgebildet, wie sie sind - das ist eine fotografische Unmöglichkeit. Zum anderen verstehe ich diesen Punkt, gerade bei dir nicht ganz: du hast in deiner Gallerie sehr viele (sehr schöne) schwarz weiß Fotos online. Waren die Menschen denn “tatsächlich” schwarz weiß?

    Natürlich waren sie es nicht. Aber bei der Retusche von Haut verändert man einen sehr geringen Anteil der Bildinformationen, aber viel härter als eine schwarz-weiß Transformation geht es kaum mehr (man ändert bis auf rein neutrale Grautöne ja jeden einzelnen Pixel im Bild). Jetzt steht zur Diskussion, wann man die Menschen “tatsächlicher” abbildet: bei einer kompletten Informationsänderung, oder nur einer geringen? Ich habe dazu keine Meinung, will nur aufzeigen, dass das ganze nicht so einfach ist, wie es dargestellt wird.

    Darüber hinaus wird bei einer schwarz-weiß Konvertierung auch retuschiert, und zwar je nachdem, wie man konvertiert. Im Rotkanal wird das ganze frei von Hautunreinheiten, im Blaukanal geschieht das Gegenteil. Klickt man einfach nur auf “convert”, ist der Effekt unberechenbar - aber trotzdem ist er vorhanden.
    (siehe dazu: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/1126551/display/11826337 ; keines der Bilder ist “manuell” retuschiert worden, das ist die reine SW Konvertierung!!!)

    ta-ta
    E.

  8. Joe said:

    Oha - fühlt sich Künstlerehre angegriffen? ;)

    Zunächst mal: Mein Standpunkt ist, dass Kunst so gut wie alles darf. Damit sind deine Workshopbilder aussen vor, denn die fallen klar unter dieses “Lable”.
    Wenn da aus den Modellen die schönsten, unrealistischsten, Wesen der Welt - oder von mir aus auch Besenstile - gemacht werden, ist das eben so und man kann es schön finden oder auch nicht.

    Ich persönlich finde Fotographie interessanter, die Dinge so abbildet, wie ich sie mit eigenen Augen auch wahrnehmen könnte - Diskussionen im konstruktivistischem Sinne über Realität sind dabei genausowenig zielführend wie der Hinweis, dass Kameras nicht zu 100% genau so arbeiten wie das menschliche Auge und Sehzentrum.

    Wenn du mit deiner Fotographie immer Kunst produzieren möchtest ist das gut so und legitim - und es zählt nur das Ergebnis des gesamten Prozesses.
    Dokumentarische Fotographie verändert allerdings das aufgenommene Objekt nicht mehr ohne Hinweise. Dass ein Mensch in SW anders aussieht als im Tageslicht, ist jedem klar - aber jeder Betrachter des entsprechenden Bildes sieht auch, dass er es mit einem SW-Bild zu tun hat.
    Retuschierung verändert das Objekt in einer Weise, die es dem Betrachter nicht möglich macht diese Veränderung auch zu erkennen - das macht sie (für dokumentarische Fotos) unbrauchbar. So einfach ist es.

  9. E. said:

    Grundsätzlich hast du vollkommen Recht, jeder soll Kunst so machen, wie er es für richtig hält. Meine Kenntnisse sind noch viel zu wenig ausgeprägt, um das alles beurteilen und einschätzen zu können - manchmal gefällt mir das, manchmal das, und ich kann noch nicht sagen, was der “Kern” davon ist.

    Bis auf den letzten Absatz bin ich auch sonst absolut deiner Meinung - aber da siehst du das ganze zu einfach, wie ich meine.

    Du definierst den Begriff Retusche ganz gut, aber ich habe doch hoffentlich zeigen können, dass auch SW Konvertierung bereits Retusche ist - je nachdem wie ich diese Konvertierung vornehme. Es wird das Objekt “in einer Weise geändert, die es dem Betrachter unmöglich macht diese Veränderung zu erkennen”. Klar verändere ich beim SW die Farben, und das sieht der Betrachter - dass ich im gleichen Schritt aber Hautunreinheiten beseitigen kann sieht keiner, der das Modell nicht in echt gesehen hat und vergleichen kann, wie die Haut denn *wirklich* aussieht. Verstehst du was ich meine? Und insofern ist eine konstruktivistische Betrachtensweise für dich vielleicht nicht zielführend, unterstreicht aber sehr gut, was *ich* für eine Meinung zu dem Thema habe.

    Starkes, helles Licht von der Seite lässt Hautunreinheiten deutlich stärker zu Tage treten als warmes Licht von vorne. Verstehst du meinen Punkt? Das alles ist bereits Retusche. Ein Fotograf nimmt das Bild so auf, wie er es später haben möchte (so das eben geht - man hat natürlich nicht immer das Licht, was man möchte). Der Winkel der Kamera ist bereits Retusche, die Wahl des Aufnahmezeitpunkts, ob bedeckter oder wolkenloser Himmel, ist bereits Retusche. Er verändert das, was man später auf dem Bild sieht, maßgeblich.

    Und ich persönlich sehe keinen Unterschied darin, ob ich jetzt ein Bild um 14 Uhr mache und dem Bild einen rötlichen warmen Stich im Photoshop gebe, oder ob ich das Bild um 18 Uhr mache und dieser Stich automatisch schon drin ist. Ich sehe keinen Unterschied darin, ob ich zwei Wochen lang mit einem Modell auf passende Wolken und Lichteinstrahlung warten muss, bis das Gesicht so wirkt, wie ich es mir wünsche, oder ob ich es im Photoshop mache.

    Ich sehe absolut deinen “dokumentarischen” Punkt - ich liebe SW Doku Bilder, voller Leben, Bewegung, Realität! Gerne mit Streifen, Krutscheln, unscharf, staub in der Luft. Ich finde das toll. Ich wollte nur zeigen, dass auch so ein Bild bereits retuschiert ist, absichtlich oder unabsichtlich. Jedes SW Bild ist retuschiert.

    Im übrigen: Es gibt im Photoshop ein Tool “abwedeln” und ein Tool “aufhellen” - und es hat einen Grund, dass die so heissen; früher haben Fotografen das in der Dunkelkammer händisch machen müssen (und gemacht), heute wird es im PS gemacht :)

    Hautunreinheiten spielen für mich im übrigen persönlich keine große Rolle - ich finde strukturierte Haut toll. Ich nehme es hier in dem Kontext nur als Beispiel, weil es ja vom Vogel und dir aufgegriffen wurde.

    Ich persönlich denke also, dass es nicht ganz “so einfach” ist, wie du es siehst.

  10. miserable old bat said:

    “…du hast in deiner Gallerie sehr viele (sehr schöne) schwarz weiß Fotos online. Waren die Menschen denn “tatsächlich” schwarz weiß?”

    Wie Joachim zum Teil auch schon ausgeführt hat:

    Der Unterschied ist, dass man einem s/w Bild sofort ansieht, dass es keine getreue Abbildung der Welt ist. Abgesehen davon finde ich s/w Bilder ästhetischer, sie beschränken sich ohne störende Farben auf das Wesentliche und ich liebe starke s/w-Kontraste, mit denen ich - wie Du mal sagtest - wertvolle Bildinformationen töte. Diese Bilder sind aber ganz klar fern von der Realität, der eine Kamera meines Erachtens grundsätzlich deutlich näher kommt als das was Auge und Gehirn Dir als Realität vorgaukeln.

    In der Modefotografie, die Du ja hier so gern heranziehst, ist aber nicht eindeutig, dass die Menschen auf den Bilder perfektioniert wurden. Da wird eben gerade über kleine nicht nachvollziehbare/erkennbare Korrekturen ein Schönheitsideal vermittelt, das so nicht erreichbar ist. Den Menschen wird somit etwas vorgegaukelt und dem schliesst Du Dich meines Erachtens mit diesem Vorgehen der Bildbearbeitung an.
    Auch verstehe ich nicht, warum Du den Mensch versuchst perfekt zu machen, aber einen eindeutigen fotografischen Mangel, nämlich den blauen Lichtkegel am linken Rand, nicht retuschierst. Der macht das Bild nicht interessanter oder schöner, sondern ist schlichtweg ein Fehler. Manchmal wirken die zwar sehr interessant auf Fotos, in diesem Fall aber nicht.

    Ich muss auch ehrlich sagen, ich finde die Bilder, die Du aus dem Workshop online gestellt hast eher langweilig, leer, ohne Aussage. Das ist für mich keine Kunst, ganz abgesehen davon, dass ich nicht denke, dass all Deine (und meine) Fotos Kunst sind. Aber das wir andere Definitionen von Kunst haben, hatten wir ja schonmal erörtert ;)

  11. miserable old bat said:

    erm, da haben wir parallel geschrieben :)

    Aber ein Punkt aus Deiner Antwort auf Joe:
    “Und ich persönlich sehe keinen Unterschied darin, ob ich jetzt ein Bild um 14 Uhr mache und dem Bild einen rötlichen warmen Stich im Photoshop gebe, oder ob ich das Bild um 18 Uhr mache und dieser Stich automatisch schon drin ist. Ich sehe keinen Unterschied darin, ob ich zwei Wochen lang mit einem Modell auf passende Wolken und Lichteinstrahlung warten muss, bis das Gesicht so wirkt, wie ich es mir wünsche, oder ob ich es im Photoshop mache.”

    Das eine ist die Fähigkeit Photoshop und ähnliche Bearbeitungsprogramme zu beherrschen, das andere ist die Fähigkeit gute Fotos zu fotografieren.
    Das ist für mich ein wesentlicher Unterschied!

  12. E. said:

    Ein guter Kumpel, der hier gelegentlich mitliest, hat mich gestern darauf angesprochen, wer denn der “Typ” ist, der so “aggro” postet. Habe ihm gesagt, dass es kein Typ ist, und dass er es auch in den meisten Fällen nicht so harsch meint, wie er es schreibt :)

    Zum Thema:
    Ich sehe Bilder, die aus meiner Kamera kommen, als leere Leinwände, die ich bearbeite - wie das ein Maler, Bildhauer oder Schriftsteller auch mit seinen Motiven tut. Ich trenne nicht zwischen diesen Klassen, denn für mich sind es alles Künste. Und es gibt kein Gesetz, dass sagt: Fotografie muss Realität abbilden, aber alle anderen Künste dürfen kreativ gerade das machen, worauf sie Lust haben.
    Klar darf, kann und soll Fotografie auch Realität abbilden. Ich finde Doku Fotos, die Joe angesprochen hat, in vielen Fällen absolut klasse.
    Aber von muss kann natürlich keine Rede sein.

    Das ist meine Sicht von Fotografie. Jeder darf seine eigene Meinung haben, und die darf davon gerne abweichen.

    Zu den Aussagen, die weiter oben stehen, nochmal ausführlicher und im Zusammenhang:

    “Und warum müssen auf Fotos Menschen perfekt aussehen? Warum können Haut, Haare, Augen… nicht einfach so bleiben, wie sie auch tatsächlich sind?”
    — Nichts muss. Alles darf - so sehe und handhabe ich das. Wenn ich für eine gute Freundin Bewerbungsfotos für eine Mappe mache, dann sagt sie mir, wie sie die haben möchte - und wenn sie Retusche wünscht, dann beherrsche ich diese Technik jetzt besser als vorher (und werde sicherlich noch besser werden), und kann ihre Wünsche erfüllen. Wenn ein anderer Freund so abgebildet werden möchte, wie er aus der Kamera kommt, dann kann ich ihm auch diesen Wunsch gerne erfüllen - es ist sein Auftrag, und er bekommt, was er möchte.
    Wenn mich ein Kumpel anspricht, der für ein underground roleplay magazine eine engelsgleiche Elfe auf dem “Cover” haben möchte, dann versuche ich das mit meinen vorhandenen Photoshop Technik so gut wie möglich hinzubekommen - und das sieht dann nicht realistisch aus. Ich fotografie einen Menschen, aber ich versuche, nach dem Bild, wie man sich einen Engel eben vorstellt, dieses Bild so zu verändern, bis es dem entspricht, was ich im Kopf habe. Wie gesagt, Fotografie muss nicht immer Realitäten abbilden. Und wenn mich jemand anspricht, der eine Ausstellung über den Tod macht, dann kann ich durch Bearbeitung Bilder liefern, die alt, verlassen, müde, traurig und morsch wirken, wenn das so gewünscht wird.

    Photoshop, und Retusche als Element davon, erweitert mein persönliches Spektrum an Kreativität und Flexibilität. Das kann und soll jeder gerne anders sehen. Ich sehe es so.

    Hier ist ein Bild verlinkt zu einem Fotografen, den ich wahnsinnig schätze. Das ist (natürlich) mit Photoshop gemacht, und gefällt mir einfach wunderbar. Für mich ist es Kunst, und was andere darüber denken, ist mir nicht wichtig: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/630317/display/12461089

    “In der Modefotografie, die Du ja hier so gern heranziehst”
    — Diesen Einwand verstehe ich nicht - es ist doch ein Thread über einen Beauty- und Fashionphotography Workshop. Beispiele aus der Architektur oder Landschaftsfotografie in Bezug auf Retusche an Menschen heranzuziehen wären unpassend, oder?

    “In der Modefotografie […] ist aber nicht eindeutig, dass die Menschen auf den Bilder perfektioniert wurden. Da wird eben gerade über kleine nicht nachvollziehbare/erkennbare Korrekturen ein Schönheitsideal vermittelt, das so nicht erreichbar ist. Den Menschen wird somit etwas vorgegaukelt und dem schliesst Du Dich meines Erachtens mit diesem Vorgehen der Bildbearbeitung an.”
    — Meiner Meinung nach wissen Menschen in unserer Gesellschaft, dass Bilder auf Magazincovern, Postern und CD Hüllen nachbearbeitet sind. Ich glaube daher nicht, dass man dem Menschen etwas vorgaukelt. Abgesehen davon weiss bei *mir* jeder, dass ich meine Bilder nachbearbeite.
    Und ich finde auch, dass diese Betrachtungsweise viel zu kurz greift. Es gibt evolutionär ausgeprägte Mechanismen (ich habe mich im Rahmen meine Diplomarbeit gerade sehr ausführlich damit beschäftigt), die beim Menschen physiologische Attraktivität auslösen. Symmetrie des Gesichtes ist soetwas, oder Reinheit der Haut (in Buss, 2004, steht da sehr viel dazu - in die regensburger forensische Psychiatrie hat in den letzten 10 Jahren wahnsinnig spannende Forschungsergebnisse auf dem Feld gebracht). Diese Mechanismen funktioniert relativ universell, und das wird in der “beauty” Bildbearbeitung umgesetzt.
    Mir persönlich gefällt das in vielen Fällen nicht, aber in manchen Fällen sehr.

    Ob das okay ist ist eine völlig andere Frage - aber wenn man diese Frage aufwirft, dann auch in Bezug auf alles andere, wo derartige Strategien “ausgenutzt” werden. So werden in der Werbung und im Marketing kognitive Heuristiken “benutzt” (ausgebeutet?), Produkte werden nach Farben designed, die menschliche Wahrnehmungsbedingungen bedienen (z.B. wirken Komplementärkontraste auf Menschen harmonisch, quer hingelegte Produkte sehen größer aus als hoch hingelegte Produkte). Das sind nur sehr wenige Beispiele von Mechanismen, die erforscht wurden, und seitdem zum Nutzen der Produkte umgesetzt werden. Retusche ist einer dieser Mechanismen, aber auf jeden Fall noch einer der ehrlichsten.
    Ich kann verstehen, wenn das als Problem gesehen wird (Schönheitsideale, Menschen werden Unzufrieden mit sich) - aber das ist ein Thema, was viel viel breiter diskutiert werden muss, als in Bezug auf Photoshop Retusche. Und ich bin der erste der zustimmt, dass das durchaus ein Problem darstellen kann und auch gerne diskutiert werden muss.

    “Der [Lichtkegel am linken Rand] macht das Bild nicht interessanter oder schöner, sondern ist schlichtweg ein Fehler.”
    Auch hier gehe ich mal davon aus, dass du das nicht so meinst, wie du es schreibst. Kunst ist Geschmacksfrage, Fotografie ist Geschmacksfrage, Lichtkegel sind Geschmacksfrage - “schlichtweg Fehler” gibt es nicht, und das zu behaupten disqualifiert in so einer Diskussion natürlich.
    Witzig ist es im übrigen schon, dass du das schreibst - der Fotograf Martin Bayer (http://www.martin-bayer.com/), der das outdoor set betreut hat, hat dieses Bild als “schönstes” empfunden, weil ihm der Kontrast zwischen dem lens flare links und dem Strahler rechts sehr gut gefallen hat. Auf dem Display fand ich es schrecklich und konnte so garnichts mit dieser Empfindung anfangen, aber so gefällt es mir sehr gut.
    (Ich hatte den jeweiligen Fotografen am Set immer gefragt, welche Bilder ihm wieso gefallen)

    “Das eine ist die Fähigkeit Photoshop und ähnliche Bearbeitungsprogramme zu beherrschen, das andere ist die Fähigkeit gute Fotos zu fotografieren.
    Das ist für mich ein wesentlicher Unterschied!”
    Auch hierzu habe ich eine andere Meinung. Wenn man sich länger mit Photoshop auseinandersetzt, merkt man relativ bald, dass man in Photoshop überhaupt nichts erreichen kann, was wirklich realitisch wirkt, wenn man nicht versteht, wie es in der Natur funktioniert. Ein Bild wird niemals nachbearbeitet gut aussehen, wenn der Fotograf nicht weiß, wie er es in “echt” hätte machen müssen. Man kann keinen Lidschatten auf Gesichter auftragen, wenn man nicht weiß, wie Schminke “in echt” funktioniert, man kann keine Schatten im Gesicht verändern, man kann keine Lichtstimmung zum Bild hinzufügen und die Hauttöne und die Tönung der Kleidung ändern, so dass es wirklich realistisch aussieht, wenn man nicht verstanden hat, wie Fotografie am Set funktioniert, wie Licht, Blende, Shutter Speed, Kontraste, Hauttöne und viele andere Faktoren zusammenspielen .
    Das sage ich nach 6 Monaten intensiver Einarbeitung in Photoshop. Daher sehe ich den Unterschied nicht, den du auftust. Jemand, der etwas in Photoshop erzeugen kann, was am Ende so wirkt, als wäre es so aufgenommen worden, hätte es auch so aufnehmen können - hat er aber nicht. Anders hätte er den Effekt schließlich nicht erzeugen können.

    Davon bin ich persönlich leider weit weg - Farbänderungen an meinen Bildern sind noch nicht realistisch genug, als dass ich nicht erkennen würde, was alles gemacht wurde. Aber dafür übe ich eben und entwickle mich stetig weiter.

  13. revelation of silence » Blog Archive » i’m in the newspaper (orpheus & eurydike) said:

    […] recently completing an awesome workshop on exactly that kind of topic, I agreed, and we met on a very warm Friday afternoon in the […]

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