Update vom 28.04.2008:
Horst Mahler ist für seine Äusserungen im Interview zu 8 Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden.
Ich habe gerade ein absolut irres Interview gefunden, Michel Friedmann befragt Horst Mahler über seine Einstellung zu Juden, zum Holocaust, zum Nationalsozialismus und anderen Themen – und Mahler sagt vieles, was klar gegen deutsche Gesetze verstößt (ich distanziere mich auch hier ganz ausdrücklich von den Inhalten des Interviews). Friedmann, der ja selbst Jude ist, hat nach dem Interview Anzeige gegen Mahler erstattet.
Warum ich das hier verlinke? Ich finde es erstaunlich, dass soetwas überhaupt gedruckt werden darf. Ich finde das Interview darüberhinaus rhetorisch hochinteressante (beide sind Meister der Redekunst, man kann das Interview wie einen Boxkampf lesen), und man merkt deutlich, dass Mahler zwar sehr genau weiß, was er denkt, dass er sehr klare Strukturen in seinen Gedankengängen hat und ein gebildeter Mann ist – und dennoch, zumindest ist meine Erklärung so, seine Prämissen offensichtlich aus einem Wahn heraus entstanden sind. Der Mann ist psychisch schwer auffällig, auch wenn das erst im Laufe des Interviews klarer wird.
Interview “So spricht man mit Nazis”:
- Teil 1
- Teil 2
Natürlich kommen bei so einem Interview sehr viele Fragen auf. Für ein paar interessante Hintergrundinformationen sind folgende Seiten aufschlussreich..
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November 4th, 2007 at 20:18
Ein fantastisches Interview, danke für den Hinweise – ich hatte das Interview bis dato nur “zur Kenntnis genommen”. Ich liebe die Stellen, wo Friedman versucht, einen Perspektivenwechsel zu provozieren!
Rhetorisch auch spannend, auch wenn da eine deutliche Asymmetrie zu spüren ist.
November 4th, 2007 at 20:30
Ich habe das ganze jetzt nochmal gelesen, und in dem Bewusstsein, dass Friedmann ihn angezeigt hat … man hat das Gefühl, dass er Mahler manchmal doch sehr offensichtlich zu Aussagen bringen möchte, zu klaren Aussagen, die er gegen ihn gebrauchen kann.
November 6th, 2007 at 21:59
So leid es mir tut das zu sagen, aber dieses Interview ist meiner Meinung nach ein klarer Sieg nach Punkten für Mahler. Ich habe jetzt zwar nur den ersten Teil gelesen, aber das Ganze präsentiert sich für mich so:
Mahler baut eine (sehr abgedrehte, abstruse, aber für ihn) logische Welt auf und Friedmann schafft es an keinem Punkt ihn wirklich ins Wanken zu bringen. Statt dessen fällt er ihm dauernd ins Wort oder versucht ihm diese im Mund umzudrehen. Und dabei scheitert er. Ganz davon ab, dass es ein unglaublich schlechter Stil ist.
Friedmanns größter Fehler war es dieses Interview überhaupt zu führen. Wenn man jemandem wie Mahler schon eine Plattform bieten muss, dann sollte man ihm wenigstens gewachsen sein.
November 7th, 2007 at 02:40
Wenn man es so sieht, ja. Wenn man es so sieht dass Friedmann versucht Mahler in Aussagen reinzureiten, die strafbar sind, dann nein.
November 7th, 2007 at 12:07
einen menschen, der für sich eine logische und in sich stimmige welt aufgebaut hat, kann doch nicht ein einziger, auch von mir aus redegewandter gesprächspartner/kritiker, ins wanken bringen!!
dazu funktionieren versch. selbstschutz- und verleugnungsmechanismen im kopf eines solchen individuums einfach zu gut… abgesehen davon, dass es schwer ist, so etwas objektiv gesehen vollkommen abstruses und unlogisches wie die welt von HM ins wanken zu bringen, da seine welt irgendwie nicht nach normaler logik zu funktionieren scheint. jedenfalls kann ich hinter seinen aussagen keine erkennen…
May 1st, 2008 at 15:32
Ich glaube ja auch nicht, dass die Idee war das ganze ins Wanken zu bringen. Und ich kann durchaus und sogar sehr stringente Logik im Weltbild Mahlers entdecken, allerdings basiert diese Logik auf einer Reihe von Prämissen, die ihrerseits … schwierig sind.