Die Persönlichkeit stellt ein extrem stabiles psychologisches Konstrukt dar, was uns Psychologen gerade bei Störungen der Persönlichkeit (z.B. der antisozialen Persönlichkeitsstörung oder der Borderline Persönlichkeitsstörung) große Schwierigkeiten bei der Therapie bereitet. Man kann diesen Menschen im Grunde lediglich beibringen, wie sie am besten mit ihrer bestehenden Persönlichkeit umgehen können, man kann ihnen Psychoedukation anbieten und ihre Awareness steigern – aber man kann die Persönlichkeit nicht wirklich in einer Therapie dauerhaft verändern.
In den letzten zehn Jahren ist allerdings ein psychologisches Phänomen in das Rampenlicht der Forschung gerückt, was bei Menschen langfristige und dauerhafte Veränderungen zentraler Strukturen zu ermöglichen erscheint: Posttraumatisches Wachstum.
Zwei Definitionen von posttraumatisches Wachstum:
- “Post-traumatic growth may affect adjustment outcomes via biological, psychological, and social pathways. For instance, individuals who have grown psychologically from trauma may show quicker cortisol habituation to other stressors […]. Individuals who acquire skills or knowledge in a traumatic event may develop a sense of competence in facing future life crisis. Receiving assistance from others in a traumatic situation may also facilitate a greater trust in one’s social relationship.” (Cheng et al., 2006)
- Desweiteren kann man (A) posttraumatisches Wachstum von (B) der Erholung von einem Trauma ohne Wachstum (der Rückkehr zum prätraumatischen Stand) sowie (C) dem reinen Überleben des Traumas abgrenzen. (O’Leary & Ickovics, 1995)
Ich habe im letzten halben Jahr im Rahmen einer Seminararbeit nach und nach eine Zusammenfassung der Literatur, die seit dem Jahre 2003 veröffentlicht wurde, geschrieben – vielleicht interessiert es euch ja:
— Seminararbeit Posttraumatisches Wachstum (pdf)
Home
Photography
December 17th, 2007 at 21:14
Sehr interessant – gibt es über verschiedene Arten von Traumata generalisierbare Faktoren, d.h. Charakteristika der Traumata oder Persönlichkeitseigenschaften, die Posttraumatisches Wachstum begünstigen?
Wenn ja, ist deren Einfluss quantifiziert worden?
December 17th, 2007 at 22:00
Die Forschung ist, wie gesagt, gerade erst am Anfang, aber es gibt durchaus einige Faktoren, die posttraumatisches Wachstum zu begünstigen scheinen (mindestens fünf der zehn zusammengefassten Artikel quantifizieren derlei unabhängige Variablen).
Möchtest du von mir eine kurze Zusammenfassung?
December 17th, 2007 at 23:18
Übrigens, eine sehr geschickte Lösung im Problemfall Cheng, Wong etc.
*g*
December 17th, 2007 at 23:21
Und dabei vollkommen legitim – ich habe mir nochmal die APA Manuals angesehen, bis 6 Leute muss ich die Autoren in den Klammern ausschreiben, ab 7 (und zum Glück waren nebst Cheng, Chang und Chong noch 4 Wongs, nicht nur drei mit im Boot) darf ich mit “et al.” arbeiten.
Sweet.
December 17th, 2007 at 23:28
Das wäre toll :-)
December 17th, 2007 at 23:36
So lieber Basti, ich habe gerade den Versuch unternommen, 2 Zusammenfassungen von Artikeln, die je 15 Seiten auf 1 Seite gekürzt haben, zusammenzufassen.
Was mir nicht gelungen ist.
Aber damit du nicht viel suchen musst:
- Seite 9 unten & Seite 10
- Seite 12
- Seite 16
- Seite 19
- Seite 20 & 21 (eine Metastudie, dürfte wohl das interessanteste sein)
ta-ta :)
December 17th, 2007 at 23:44
sehr interessant, gerade geht es bei meiner OrgPsy-Vertiefung wieder auf Persönlichkeiten und wie unveränderlich die doch seien, zu^^
December 18th, 2007 at 10:42
Dankesehr! :-)
January 28th, 2008 at 09:58
Hatte ganz vergessen hier zu antworten, Joe. Ja, die Psychologie geht davon aus, dass die Persönlichkeit eines der stabilsten psychologischen Merkmale überhaupt ist – nicht umsonst ist Intelligenz ein Persönlichkeitsfaktor, und man sollte sich den Versuch einer Veränderung von z.B. Extraversion ähnlich einfach wie die Veränderung des IQs vorstellen.